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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 13 (1909) · p. Seite 302

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
13 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 302 (sequence 14)
Language
German
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302 Ar. Kahrnstrin: Ist die liberale Urreinigung auf dem richtigen Wege? o o o o regste Interesse haben, die gern an der Entwicklung des angestammten Judentums im Sinne unseres Programms Mitarbeiten, und die vor allem immer mit dabei sind, wo es den Kampf gilt gegen Orthodoxie und Reaktion. Die große Frage an die „liberale Vereinigung" ist nun die: will sie nur die Organisation einer zwar „kirchlich-liberalen", aber ihren Glauben scharf betonenden Richtung darstellen, oder will sie alle zusammenfassen, die sich im weiteren Sinne liberale Juden nennen? Nur in letzterem Falle, meine ich, wird es möglich sein, weite jüdische Kreise dauernd für die Bewegung zu interessieren, nur in diesem Falle wird der „Vereinigung" die Zukunft gehören. Dazu ist aber erforderlich, daß die liberale Vereinigung ihre Frontstellung verändert und den Feind da sucht, wo er sich wirklich befindet. Dagegen höre man endlich auf, das überzeugte Freidenkertum zu befehden. Die Zahl derer, die sich in Sachen des Glaubens und der Ueberzeugung absolut nicht Hereinreden lassen wollen, ist allzu groß, als daß das Judentum so leichtfertig auf sie verzichten könnte. Die Eiferer innerhalb der liberalen Vereinigung mögen sich doch klar machen, in wie vielen Fällen es bei den sogenannten „Indifferenten" idealistische Beweggründe sind, wenn sie trotz abweichender Ueberzeugungen in religiöser Beziehung es ablehnen, dem Judentum auch äußerlich den Rücken zu kehren. Und wenn es richtig/ist, daß durch eine unserer Zeitanschauung entsprechende Fortentwicklung der jüdischen Religion viele der „Lauen" und Gleichgültigen zurückgewonnen werden können, nun, so möge man doch ruhig die Wirkung der Reform abwarten, anstatt die .schon halb entfremdeten ganz zurückzustoßen. Liberalismus ist Duldsamkeit. Aber solange die Duldsamkeit noch kein allgemein anerkanntes Prinzip in Glaubenssachen ist, solange muß auch der Liberalismus kämpfen, und zwar ganz allein gegen die Partei, welche die Freiheit des Denkens und Handelns verwirft, die dem Geist Fesseln anlegen will und selbst das Privatleben des einzelnen ihrer Kontrolle unterstellt. Für diesen Kampf alle freiheitlich gesinnten Elemente zusammenzuschließen und den eignen Liberalismus durch Aufklärungsarbeit und Reformen zu bestätigen, das allein kann die Aufgabe der „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" sein! — Nackbemerkung der Redaktion. wir glaubten, vorstehenden Ausführungen die Aufnahme in unserer Monatsschrift nicht versagen zu dürfen und haben dieselben vollinhaltlich zum Abdruck gebracht, weil wir der Ansicht sind, daß Jedem, der sich selbst zum liberalen Judentum bekennt und demselben dienen möchte, Gelegenheit zur freien Aussprache gegeben werden müsse. Daß weder die Vereinigung für das liberale Judentum als solche, noch auch die Redaktion die Vertretung für jede Ansicht, die in diesen Blättern geäußert wird, übernehmen, haben wir in der jeder Nummer vorangeschickten Notiz auf der zweiten Seite des Umschlags zum Ausdruck gebracht, wir halten es aber obigen Ausführungen gegenüber für notwendig, auf zwei prinzipielle Punkte kurz hinzuweisen, indem wir uns Vorbehalten, auf die angeregten Streitfragen näher einzugehen. Die von Herrn Dr. Katzenstein bekämpfte Resolution, die das Verhältnis der Vereinigung für das liberale Judentum gegenüber der Orthodoxie festlegt, ist auf der konstituierenden Versammlung vom 3. Mai v. Is. mit allen gegen 8 Stimmen angenommen worden, bringt also die fast ein-

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