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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 13 (1909) · p. Seite 299

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
13 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 299 (sequence 11)
Language
German
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<o o o o Pr. Katzenstern: Ist dir liberale Vereinigung auf dem richtigen Wege? 299 einen „vollberechtigten Faktor im Leben der deutschen Juden" darstelle, und die sich ganz so liest, als ob die liberale Vereinigung bei der Orthodoxie um Duldung und. Schonung anzuhalten hätte. — Noch bedenklicher sind die Versuche der liberalen Vereinigung, nicht die Orthodoxie, sondern das Freidenkertum als den schlimmsten Feind hinzustellen. — ZtTan fragt sich bei den immer wiederkehrenden Angriffen gegen Monismus und Freigeisterei erstaunt: lvarum . werden diejenigen Elemente vor den Roxf gestoßen, die doch gerade gewonnen werden sollen? Am weitesten ist bisher in dieser Beziehung Herr Dr. Laqueur gegangen, in seinem oben näher bezeichneten Aufsatz. Aber beinahe in jedem Heft unserer 'Monatsschrift wird derselbe Faden weiter gesponnen, man vergleiche nur wieder in der neunten Nummer den Bericht über eine von der Ortsgruppe Danzig veranstaltete Versammlung. Rein Wort gegen die Orthodoxie — und manchmal scheint es fast, als sei die liberale Vereinigung nur dazu 'gegründet worden, um den Liberalismus, dessen Wesen die Freiheit ist, zu bekämpfen. Tatsache ist jedenfalls, daß bisher innerhalb der liberalen Vereinigung ein Wort zu Gunsten der Freidenker noch nicht vernommen worden ist. Diesem Mangel soll nun abgeholfen/werden. fjerr Dr. Laqueur geht davon aus, daß der Indifferentismus die Hauptschuld an dem Abfall vom Judentum trage. Wenn er es nun für die Aufgabe des liberalen Judentums erklärt, dem modernen Denken nicht nur durch Abschaffung einiger veralteter Gebräuche, sondern auch durch Fortentwicklung des g e i st i g e n Inhalts der Religion Rechnung zu fragen, so ist ihm darin vollkommen beizupflichten. (Besonders wenn die Abschaffung der .veralteten Gebräuche über dem „Geistigen" nicht vergessen wird!). Ebenso wird er sicherlich recht haben, wenn er von der liberalen Reformbewegung erwartet, daß sie manchen, der dem Judentum jetzt völlig gleichgültig gegenübersteht, wieder enger an die jüdische Gemeinschaft anschließen wird. (Wenn die Bewegung nämlich wirklich liberal ist!). Aber während man noch eben meint, daß die Fehde den Indifferenten gelten solle, „die den letzten und höchsten Fragen des Menschenlebens gleichgültig ' gegenüberstehen", findet tnan sich plötzlich in einem erbittertem Rampf mit dem Materialismus, oder der — von Dr. Laqueur mit jenem identifizierten — Weltanschauung des Monismus. Es ist kaum zu glauben, daß eine solche Verwechslung oder Gleichstellung möglich ist. . Der Materialismus — eine Weltanschauung; der Indifferentismus — das genaue Gegenteil einer solchen! Wer den Materialismus allgemein als Zeichen einer geistigen Verflachung auffaßt, der kann keine Ahnung haben svon den inneren Rümpfen, die der Annahme einer solchen Weltanschauung so häufig vorausgegangen sind, der kann nie einen Einblick getan haben in die Seele eines Menschen, dem der herkömmliche Schöpferbegriff nicht mehr genügt; der weiß Offenbar nicht, daß es sich hier ebenso gut um eine im Streben nach Verinnerlichung des Daseins gewonnene, tiefwurzelnde Ueberzeugung handelt, wie bei irgend einer andern, durch Nachdenken gewonnenen Weltanschauung. Da Dr. Laqueur — Materialismus und Monismus als gleichbedeutend setzt, so mag es hier zur Erklärung der Gegensätze genügen, kurz und allgemein zu sagen, daß bei diesen Angriffen der alte Streit auflebt zwischen dem dualistischen Theismus der positiven Religionen und der Weltanschauung, die einen persönlichen Gott, der „von außen stößt", verwirft, die also den Gegensatz zwischen

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