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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 13 (1909) · p. Seite 296

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
13 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 296 (sequence 8)
Language
German
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296 Fritz Cars: Zur Mission der Juden 0 O O O zu bekommen!" Und nun gibt es wieder ein dogmatisches „wissen" in Glaubensdingen; fast scheint Kernt umsonst gelebt zu haben. Ich will hier nur andeutungsweise auf eins recht energisch Hinweisen: Bisher ist es nicht gelungen und wird voraussichtlich in absehbarer Zeit nicht gelingen, die gesamte Erfahrungswelt durch das Kausalgesetz zu „erklären", es gilt nur für die „äußeren Erscheinungen", die Körper, die für sich eine vollkommen geschlossene Kausalkette darstellen. In welchem Verhältnis hierzu die Gegenstände der inneren Anschauung stehen und. ob diese selbst miteinander durch ein analoges Gesetz verbunden zu denken sind, ist vollkommen problematisch, der Zusammenhang zwischen einer Willensaktion und der von dieser „verursachten" Muskelbewegung ist in ein ebenso tiefes Geheimnis gehüllt wie das Abhängigkeitsverhältnis zwischen der willensaktion und einer ihn (d. h. den willen) „bewegenden" Vorstellung. Dies Rätsel ist nicht gelöst worden (— der psychophysische Parallelismus ist keine Lösung —), ein zweites Rätsel kann nie gelöst werden: Ist das Kausalitätsgesetz nur ein Denkgesetz oder entspricht ihm auch ein unabhängig vom denkenden Subjekt waltendes „Naturgesetz", m. a. w. gilt es nur für die Welt der Erscheinungen oder auch für die Welt der „Dinge an sich"? Mithin ist unlösbar für die wissenschaftliche Forschung die Frage nach der Willensfreiheit, also auch nach der Möglichkeit einer wahren Ethik. Auch heute noch ist von Seiten der Wissenschaft unsere Mission erfüllbar, und sie wird es stets sein; denn die Wissenschaft wird niemals das Gegenteil beweisen können. Daß trotz dieses Standes der Erkenntnistheorie die Grundsätze der Religion als widerlegt betrachtet werden konnten, daran ist aber nicht nur die Oberflächlichkeit der Menge schuld, sondern auch im Wesen der überkommenen Religion ist der Abfall von ihr begründet. Religion ist: Ethik, gekleidet in das zauberhafte Gewand der Symbolik. Das wesenhafte und absolut Wahre ist die Ethik, das Vergängliche und „Zufällige", weil nur historisch gewordene, die Welt der Wunder, der Bilder. Wer diese für den Kern der Religion hält und ihre „Hohlheit" erkennt, verliert die Religion. wie ist da zu helfen? vor 30 Jahren veröffentlichte ein hochbedeutender Christ, der sich viel mit dieser alle Religionen in gleicher weise angehenden Frage beschäftigt hat, folgende sehr bemerkenswerte Sätze: „Ein Satz: Die Masse braucht in alle Ewigkeit ein geglaubtes Bilderbuch, wieviel immer das Pigment (— Bilderwelt der Religion) schaden mag, es ist doch auch Stütze. — Religion fort, auch Moral fort. Gefärbte Religion doch besser als keine. Anderer Satz: Ein sehr großer Teil des Volkes, ist allerdings aus der Bilderwelt herausgewachsen, das nimmt nun aber zu in geflügelter Progression, noch ist es nicht die Mehrheit, aber bald wird sie in die Strömung gezogen sein (— bei den deutschen Juden dürfte es bereits geschehen sein —). Wer sich nur etwas umsieht, Handwerker, Arbeiter, Kaufmann, wer immer von Physik und Geschichte auch nur einigen Lichtstrahl empfängt, ist rein fertig mit allem, was übersinnliche Figur, was Regierung des Universums von außen, was Wunder heißt, kurz mit dem ganzen Pigment. Sie zurückführen in den Glauben daran, ist unmöglich; wer seinen Widerstreit mit Natur- und Denkgesetz erkannt hat, kann nie und nimmer in ihn zurück. Nun sind aber alle diese hilflos ins Leere geworfen. Die alte Ehrfurcht sind sie los, für eine neue können sie eine Begründung m ■

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