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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 13 (1909) · p. Seite 293

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
13 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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Fritz Cars: Zur Mission der Juden 293 Auch meine Jugend steigt aus ihrem Grab, Faßt leise meine Hand: Komm mit zurück In Deiner Kindertage Paradies, wo Du mit blinden Augen froh gegangen, Du saßest bei der frommen Mutter still Glückselig-stolz im lieben Gotteshaus. — Gar fromm und seltsam mutet es Dich an. Dein kleines Herz faßt nicht den tiefen Sinn; Kann's nicht verstehen, warum manch Auge weinet. Nun weißt Du's besser, denn Du trägst Dein Leid Dein stilles Leid heut' selbst in's Gotteshaus, Du fragst nicht mehr, warum die Menschen weinen. Und immer rauschen noch die heiligen Melodieen, Und auf den Schwingen frommer Andachtsklänge Steigt Dir ein sanfter Engel leis hernieder, Legt seine Hand leidstillend Dir auf's Herz, Küßt mitleidsvoll die brennend-heißen Wunden, Und stille wird Dein unruhvolles Herz Ruht sanft von rauhem Lebenssturme aus Im Gottesfrieden des Versöhnungstags. — Ella Seligmann. Zur Mission der Juden. Von?ritz Caro-Berlin. uch die Juden haben eine Mission. Jedes große Volk hat eine Mission. Es ist hier nicht die Frage, ob ein göttlicher Lenker der Menschengeschichte dem jüdischen Volke diese oder jene Aufgabe gestellt hat. Das Volk muß sich seine Mission selbst schaffen, wenn es an sie glauben soll. Nur was der Mensch selbst erzeugt, ist für ihn Gegenstand, wie der theoretischen, so der praktischen Vernunft, wie der Erkenntnis, so des Glaubens. Dieser Grundsatz sollte nie vergessen werden! Die Missionen werden den Völkern nicht in überirdischen Visionen geoffenbart, nur ihr eigener Werdegang kann sie ihnen zeigen. Auch hier ist die Kulturgeschichte der wahre Lehrmeister der Völker. Zwei Faktoren sind hierbei maßgebend, allein maßgebend: die Begabung eines Volkes, gewisse werte zu realisieren und der notwendige und allgemeingültige Glaube an den absoluten Wert dieser Werte. Nie kann mit apodiktischer Gewißheit bewiesen werden, daß ein bestimmtes Volk zur Erreichung eines gewissen Zieles und nur dieses Zieles befähigt und daher „bestimmt" sei. Doch läßt sich wohl soviel sagen: eine vorurteilslose Betrachtung der Kulturwerte, die ein Volk geschaffen hat, ermöglicht fast stets die Erkenntnis der besonderen Fähig-

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