Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 12 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Ar. Milde: Mer hat recht? an den Felsen Petri, daß er in seinen Grundfesten erbebte, in zwei Teile sich spaltete. Ganze Völker verließen die katholische Kirche und folgten Luther. Gr nannte eine Heidenkirche die katholische Kirche, gegen die er predigen müsse, ob ihres Heiligendienstes, ihrer Reliquienverehrung, ihres Papstkultus, wie einst die Propheten in Israel gepredigt gegen die Heiden in ihrem Volk: „Der Teufel hat uns hin und her geführet, Wallfahrt aufgerichtet, Kapellen und Kirchen erhoben. Heiligen - Erhebung zugerichtet und der Narrenwerk mehr; gleichwie er vor Zeiten tat dem Volk von Israel, dawider alle Propheten predigten."^) Darin gab Luther dem ewigen Juden recht, daß er dieser Kirche so wenig gefolgt war, wie einst den Heiden: „Denn unsere Narren, die Päpste, Bischöfe, Sophisten und Mönche sind bisher mit den Juden so verfahren, daß jeder gute Thrist wohl hätte ein Jude werden mögen. Und wenn ich ein Jude gewesen wäre und solche Tölpel und Knebel den Christenglauben regieren und lehren gesehen hätte, so wäre ich eher eine Sau geworden als ein Thrist. Taufte man die Juden, so gab man ihnen keinen Beweis christlicher Lehre und christlichen Lebens, sondern unterwarf sie nur der Päpsterei und Möncherei. Sahen sie nun, daß ihre, der Juden, Sache so starke Schrift für sich hat und der Thristensache ein pures Gefchwäz war ohne allen Schriftbeweis, wie mochten sie sich doch beruhigen und recht gute Christen werden?"* * 7) Zum Schiedsrichter wurde Luther für den tausendjährigen Kampf der Kirche gegen den ewigen Juden und er entschied: Der ewige Jude hat recht gehabt! 6) Luther: Schrift an den christlichen Adel deutscher Nation. 7) Luther: Daß Jesus Christus ein geborener Jude sei. Doch bald wiederholte sich das alte Spiel: Der Schiedsrichter wurde zum Kämpfer. Er glaubte fetzt endlich die Wahrheit gebracht zu haben, auch für den ewigen Juden, und schalt ihn bald voll Zorn, weil er auch ihm nicht glaubte, sondern immer noch weiter wandern wollte seinen eigenen Pfad: „Nämlich, sie geben uns Schuld und belügen uns bei den Ihrigen, daß wir Christen mehr denn einen einigen Gott anbeten; da ist des Rühmens und Stolzes kein Maß noch Ziel; damit halten sie ihre Leute gefangen, wie sie allein das Volk sind, die vor allen Heiden nicht mehr denn einen Gott anbeten. G wie gewiß sind sie in diesem Stück ihrer Sachen. Daß wir aber glauben, in der einigen, ewigen Gottheit seien 3 Personen, daraus wird noch lange nicht weder Jude noch Teufel beweisen, daß wir mehr denn einen einigen Gott glauben. Db die Juden vorgeben wollten, sie könnten nicht verstehen, wie 3 Personen ein einiger Gott seien, warum verleugnet, verdammet denn ihr verfluchtes Lügenmaul, was es nicht versteht? Auch sagen die Juden, sie bedürfen Christi nicht wider den Tod. Denn sie sind selber heilig genug mit ihrer Buße und Frömmigkeit vor Gott zu treten. Allein die Christen sind solche Narren und verzagte Schelme, die sich vor Gott so sehr fürchten, ihre Sünde und seinen Zorn "so hoch achten, daß sie vor seiner göttlichen Majestät Augen nicht wagen zu erscheinen, ohne einen Mittler oder Messias, der sie vertrete und für sie sich dargebe/^) wer hatte recht in dem Kampf Luthers gegen die Juden? Hatte der ewige Jude recht, daß er nicht glauben wollte an die Dreieinigkeit Gottes und an den Gpfertod Christi? 8) Martin Luthers Schrift von den Juden und ihren Lügen.