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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. Seite 284

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
12 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 284 (sequence 20)
Language
German
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284 Dr. Milde: Mer hat recht? 0 0 0 O daß der jüdische Religionsunterricht dem vorliegenden Schulxlan, Zeit und Raum entsprechend, eingerecht werde! Solche Anpassung rettet den Rindern mehrere Frei- und Luftstunden und benimmt den Eltern die Sorge um Gefährdung bei langen wegen zur Winterszeit in oft vorgerückter Abendstunde.*) wir sind überzeugt, daß jede Schulbehörde einem liberalen Bestreben auch nach dieser Richtung gern liberal entgegenkommt und daß diese Frage die leichtest lösliche ist. Za, mit unfern Rindern, denen wir eine hohe sittliche Grundlage zu schaffen stets bemüht sein wollen, die auch auf Achtung und j)ietätvorderalten,ehrwürdigen, angestammten Religion unserer Patriarchen basiert, wollen wir einliberalesIudentum an streben, das sich der Rultur des Zeitgeistes gern einreiht, ohne darum in seinemHerzenskeim ersticktwerdenzu müssen. Die christliche Schriftstellerin Nahida Rem^, die später selbst zum Judentum übertrat, hat das Lob der jüdischen Frau, die *) Ich habe hier speziell Münchener Verhältnisse im Auge.! sie in allen Grundzügen in verschiedenen Ländern geprüft und erforscht, in so hoher weise ausgesprochen, daß es zur erhebenden Selbstschätzung beitragen darf, eine wahre Jüdin zu sein; und in solchem Sinne wollen wir, als Töchter einer altehrwürdigen Nation, kraftgemäß mithelfen, 'unser Judentum in bester weise zu fördern. Lin nach jeder Richtung formvollendeter Vortrag, gehalten in München am \5. März über das Thema: „Dient unsere liberale Bewegung der Erhaltung des Judentums?" von Herrn Iustizrat Dr. Blau aus Frankfurt am Main hat mich darin bestärkt, dies niederzuschreiben. Und sollten diese schüchtern, aber mit Herzenswärme ausgesprochenen Gedanken nur wenige Mütter und Frauen zum Nachdenken veranlassen und dadurch viel gute Gesinnungen und Ideen auslösen, die sie im Interesse, der Sache zum Ausdruck bringen, so würde mir dies ein erfreulicher Beweis dafür sein, daß mein Vorgehen nicht mißdeutet wird. In diesem Sinne, hochgeehrter Herr Doktor, belästige ich Sie mit dem Durchlesen dieser Epistel, die ich Ihnen zu zweckdienlicher Verwendung anheimstelle. * Frau Siegm. Rosengart - München. Wer hat recht? Von Rabbiner Dr. Wilde-lTlagdeburg. urch die Geschlechter der Menschheit wandelt eine einsame Gestalt, gehaßt und unverstanden. „Der ewige Jude" hat ihn der Volksmund genannt, warum will er anders glauben, als die Menschen ringsum, warum will er nicht sein, was sie alle sind? Ist er zu töricht, um die Wahrheit zu erkennen, ist er von der Gottheit mit Blindheit geschlagen, daß er fernab von der Heerstraße der Menschheit wandelt? Viele Gegner sind ihm entstanden auf langem Wege. Die Gegner sollen einander selbst die Antwort geben, ob der ewige Jude Recht oder Unrecht gehabt. Vor langer, langer Zeit wurde der ewige Jude geboren. Ruhig ließen ihn erst die Heidenvölker wandern. Sie glaubten, er wäre auch von ihrer Art; sein Gott wäre ein Gott, wie ihre Götter, sein Dienst, wie jeder Götterdienst. Doch dann merkten

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