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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. Seite 282

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
12 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 282 (sequence 18)
Language
German
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282 Wertere Kriträge zur Sabbstfrugr in Krirfrn an Br. Morden des Abends hingeben zu können, der manchmal mit Synagogenbesuch verbunden, das Heim bei vermehrtem Lichterglanz, dem erneut gedeckten Tische, dem nicht fehlenden LereLes und Blumenschmuck, zu einem kleinen Paradies gestaltete, aus dem sie sich nicht so bald vertreiben ließen. — Auch für unsere Herren war mit dem Eintritt ins Haus der Sabbat angebrochen, und auch sie gaben sich in wohliger Ruhe und Geborgenheit der weihe des Abends hin, und wenn auch mit dem Sabbatmorgen die Pflicht der Tagesordnung begann, sie verließen das Heim mit dem trauten Bewußtsein: Hier bleibt unser Sabbat, dem wir, sobald als wir uns frei zu machen vermögen, wieder zueilen. Ja, in der Macht der Frau und Mutter nur liegt es, den Zeitverhältnissen entsprechend, die treue Hüterin eines heiligen Herdes zu sein, das Feuer zu erhalten, das die Herzen erwärmt, und dessen Widerschein als heilige Erinnerung an Heim undHausinsLebenhinausleuchtet. Viele unserer Mitschwestern bedürfen ja, dank der Fürsorge von Eltern und Gatten, des Samstags nicht als absoluten Ruhetags, weil ihr Pflichtenkreis die ganze Woche hindurch wenig Anforderungen an sie stellt; aber selbst wenn solche Frauen, die so leicht das große Rontingent zum Synagogenbesuch stellen könnten, dies nicht tun, weil sie keinerlei religiöses Bedürfnis in sich zu wecken vermögen, so sollten sie wenigstens vermeiden, den Sabbat zum Aergernis für Sabbatstrebende zu machen! Hat es wohl noch keine meiner Mitschwestern empört, wenn sie bei gelegentlichen Sabbatbesuchen in Freundes- oder Bekanntenkreisen auf großes Wäschefest, Reinemachen und dergl. im Hause stieß und gerade bei Familien, die hinlänglich Zeit und Mittel hätten, solche Arbeit an den Werktagen vornehmen zu lassen? Ebenso gefällt sich manche moderne Jüdin darin, sich an Sabbat und Feiertagen besonders mit Näh- und Handarbeit zu beschäftigen, deren Ertrag noch nicht die kleinste Armenspende ergeben würde! Hatten sie nicht auch alle treubesorgte, nachahmungswerte Mütter, die für alle Bedürfnisse des Hauswesens aufzukommen wußten und den Sabbat nicht durch Arbeit zum Werktag stempelten? wenn eine solche Rkutter ihren Mahnfinger aus dem Rahmen gegen die Tochter erhübe, mit was könnte sie sich rechtfertigen? Sie hielte wohl entgegen, daß Mann und Rinder auch arbeiten — allerdings, aber sie fügen sich dabei der sozialen Notwendigkeit. Ihr aber, die ihr dankbar und warm für eure Lieben zu fühlen wähnet, wahretihnen den Sabbatim Hause! Der Sonntag, der als Rasttag für sie anbricht, der sie nach der langenAnstrengungkörperlichund vielleicht auch geistig zur Ruhe kommen läßt, kann die seelische Empfindung der Sabbatweihe nicht in ihnen auslösen, und das wird so bleiben müssen, bis sich das große Problem durch ein besonderes Ereignis (es soll dies gewiß keinen Rassandraruf bedeuten) oder durch eine erhabene Idee verwirklichen läßt. Nein, das Empfinden läßt sich nicht von heute auf morgen verpflanzen, und viel sympathischer wäre das Vorgehen, unfern Sabbat mit seiner Ruhe, weihe und seinem Gottesdienst den Familien, Frauen und Mitgliedern der Gemeinde zu belassen, die gern solch religiösem Bedürfnis genügen; undwenn schöpferisch gewir kt werden soll, gebt denjenigen, welche Samstags abgehalten sind und gern eine Erbauungsstunde hät-

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