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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. Seite 281

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
12 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 281 (sequence 17)
Language
German
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o o Weitere Beiträge zur Sadtmtfrage in Briefen sn Ar. Norden. 281 eine Befriedigung. Vieles habe ich inzwischen von bedeutenden Männern gehört und gelesen, das in Frauenherzen Widerhall findet und manches, verzeihe man mir die offene Aussprache, das mir nicht sympathisch war! Ls ist ja mit Begründung auch an die jüdische Frau der Aufruf ergangen, auch ihre Stimme in den zu lösenden Problemen eines liberalen Judentums abzugeben, und so betone ich gern, daß ich eine ältere, bei wahrem religiösen Empfinden doch im allgemeinen Sinne moderne Frau bin, die kulturellen Fragen zugänglich und allem Religiösen großes Interesse weiht. Eine hochintelligente Frau unserer Nation hat in Nr. 2 des „Liberalen Judentums" in dem Artikel „Mütter und Rinder" in so edler Sprache die Tiefen des echt jüdischen Frauengemütes als Gattin und Mutter, in ihren Folgerungen, als wahre Stützen eines echten und zugleich liberalen Bestrebungen zugänglichen Judentums dargetan, daß ich nichts weiteres über die Bedeutung der jüdischen Frau als Grundstütze unserer Religion anzuführen habe, und jeder Denkende begreift, daß hier in großer Tragweite die Wurzel zu Gutem und Hohem liegt. Indem ich nun versuche, den mich bewegenden Sabbatgedanken und noch weiteres genauer zu definieren, habe ich anzuführen, daß ich, wie so viele Tausende meiner Mitschwestern, von streng religiösen Eltern erzogen, nt späteren, veränderten Lebensverhältnissen vielen bestimmenden Einflüssen in Bezug auf rituelle Lebensweise Ronzessionen gemacht habe. Auch den lauteren, glücklichen Rinderglauben mit seinen ungelösten Rätseln und seiner idealen, frommen Zuversicht, konnte ich mir nicht wahren; doch habe ich mir durch s)ietät, Tradition und eigensten seelischen Halt 'soviel Gotteshauch und Gottesgefühl in mein Leben herübergerettet, daß ich in der Freude und im Ernste des Lebens, sowie in Stunden der stillen Seelenschau, meinen Gott in mir fühle, und mit diesem Gottesgedanken verbindet sich von meiner ersten Vernunftempfindung an — unlöslichder Sabbat! wie ich ihm als Rind zugejubelt als Freude- und Festebringer, der mir alle Lieben vereint, so ist er heute noch der bejahrten Frau ein Tag der Seelenwärme und Befriedigung. „Ja, unendlich ist des Sabbats Segen, man muß nur seinen Ruf verstehen." Den höheren Menschen will er in uns wecken, der, befreit von den Schlacken des werktäglichen Lebenskampfes, sich seines besseren Selbst bewußt wird. Der Sabbat ist auch der typische Urquell jüdischen glücklichen Familienlebens, und wir sollen, als an der ältesten geheiligten Tradition, nicht an ihm rütteln. Es liegt dem anstrebenden liberalen Judentum dieser Gedanke gewiß auch fern, wenn auch diesbezügliche wünsche und Stimmen laut werden, und es ist, dem Zeitgeist und sozialen Verhältnissen entsprechend, gewiß unsagbar schwer, die richtige Lösung für alle zu finden. Als Familienmutter habe ich meine Rinder großgezogen, die ihre Schulen gut absolvierten, und auch am Sabbat hatten sie ihrer Schulpflicht nachzukommen, indem wir uns der allgemeinen sozialen Ordnung fügten. Auch Mann und Sohn arbeiten angestrengt, einschließlich des Sabbats, in ihrem Berufe; aber in unserem Hause ist Sabbatweihe, die schon mit der hereinbrechenden Dunkelheit des Freitag abends beginnt! wie freuten sich so viele Jahre hindurch unsere Rinder auf diesen Abend — wie sputeten sie sich Freitag Nachmittags schon, ihre Schulaufgaben zu bewältigen, um sich frei und froh dem weihevollen Reiz

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