Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 12 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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280 Mrrlrrr Krilrägr zur Subbstfrsgr in Krirfrn nn Ar. Morden o o o o bitte, Sie möchten veranlassen, daß meine Auseinandersetzungen gleichzeitig und durch dieselbe Zeitschrift ihren weg in die Meffentlichkeit fänden; vielleicht, daß es zum Guten ist! Louis Jäger-Bonn. ❖ ❖ IV. Ihre Anregung gibt mir den erfreulichen Anlaß, mich zu einer Frage zu äußern, die mich lange schon beschäftigt hat. Ich glaube vorausschicken zu dürfen, daß man sich mit solchen Fragen nur beschäftigt, wenn man es mit seinem Judentum treu meint, und nicht, wenn man zerstören will. wenn man, wie ich, Gelegenheit hatte, Synagogen in unsern kleinen Städten an Sonnabenden zu besuchen, dann kann man sich angesichts der erschreckenden Leere in ihnen gar nicht dem Eindruck verschließen, daß ein derartiger Gottesdienst eher die Glaubensfreudigkeit ertötet, als belebt. Wie ganz anders erhebt ein Gottesdienst, in dem man nur Andächtige sieht, die andächtig sein können, weil draußen das Leben ihnen die Ruhe dazu läßt. Dieses Bild gewähren uns die erwähnten Synagogen immer dann, wenn ein allgemeiner Ruhetag mit unsern Feiertagen zusammenfällt. Der Forderung unserer Zeit, daß der Sonnabend ein Werktag geworden, kann sich kein Einsichtiger mehr verschließen, und der angeblich frömmste Mann unserer Gemeinde kann sein Geschäft Sonnabends nicht mehr geschlossen halten, wenn er im Kampfe um das tägliche Brot nicht unterliegen will. Darum gibt es nur eine Forderung, den Sonnabendgottesdienst auf den Sonntag zu verlegen, nur so finden wir uns selbst wieder. Die Anzahl der sich Sträubenden erscheint größer, als sie ist. Ist die Neuerung mit fester Hand durchgeführt, dann hat auch das Sträuben ein Ende. In einer Zuschrift des Herrn Dr. xhil. hirschberg an Sie ist das Bedauern darüber ausgesprochen, daß „die Rabbiner sich die geistige Führerschaft in dieser wichtigen Frage aus den fänden nehmen lassen". Ich bedauere den Umstand viel mehr, daß die andern Führer der liberalen Bewegung, die wirtschaftlich freier in ihren Gemeinden dastehen als die Rabbiner, sich nicht mit wirtschaftlich freien Männern all unserer Gemeinden in Verbindung setzen, um diese notwendigste aller Fragen zu lösen. Alle, die wirklich ihr Judentum lieben und an seinem zeitgemäßen Ausbau Mitarbeiten wollen, werden mit mir darin eins sein, daß der Worte nun genug gewechselt sind, daß dies zu allen Zeiten geschehen ist, und daß es nun endlich an der Zeit ist, Taten zu sehen. An vielen Worten verläuft "sich die neue Bewegung wieder im Sande, wie bisher alle andern. Rechtsanwalt Fleischer-Konitz. V. hochgeehrter Herr Doktor! Auch auf Eures Volkes Frauen Bauet Ihr mit Zuversicht, Daß sie helfen Euch erbauen Und verbreiten heilig Licht! Als in der dritten Nummer der „Monatsschrift des liberalen Judentums" auf Seite 7 Ihr lauter Mahnruf in dem „Wort zur Sabbatfrage" erschien, da wallte es mir warm im Herzen auf, und in seelischer Begegnung wollte ich mir sofort gestatten, Ihnen dankende Anerkennung zu zollen und Ihrer großzügigen Einsicht gleichzeitig Gedanken und Empfindungen einer einfachen Frau zu unterbreiten. — Daß ich mir noch etwas Zurückhaltung auferlegte und erst die Stimme Berufenerer hören wollte, die doch unbedingt auf solch hohen Ruf erschallen mußte, ist mir heute