Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 12 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Weitere Beiträge zur Sabbatfragr in Krirfrn an Ar. Norden 279 jüdischem Empfinden neben dem Sabbatgottesdienste auch einen Sonntagsgottesdienst eingeführt wünschen und derart die Lösung der Sabbatfrage sich denken, oder, ob ich bei denen stehe, die das schwierige Problem durch Verlegung des Sabbats auf den Sonntag ein für allemal zu lösen gedenken, hierüber heute schon in der Geffentlichkeit mich auszusprechen, kann mir aus bewegenden Gründen nicht anstehen. Nicht etwa, daß es mir an Mut gebräche, meine Ueberzeugung in der Geffentlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Mer mich kennt, wird diesen Gedanken nicht aufkommen lassen. Nein, ein Anderes ist es, was mich abhält, in die Erörterung der Sabbatfrage einzutreten, in der Geffentlichkeit heute schon dazu Stellung zu nehmen. Ich halte die Aufrollung dieser wichtigsten, ernstesten und einschneidendsten aller religiös-jüdischen Lehr- und Streitfragen heute schon, insbesondere die Haltung der in Nr. 6 des „Liberalen Judentums" veröffentlichten Zuschriften, wenn noch so aufrichtig und gutgesinnt und zweifelsohne getragen von Liebe zum Judentum, als verfrüht und gefährlich zugleich, die liberale Bewegung mehr schädigend, als fördernd. Damit will ich die Sabbatfrage nicht als das „Rräutchen rühr mich nicht an" hingestellt wissen! Ginge es nach mir, nicht rasch genug, nicht mutvoll genug könnte die liberale Bewegung einsetzen. Aber ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, das jüdische Volk, die breite Masse in ihrer Mehrheit, ermangelte noch derjenigen Verständnisreife, die Zweifel und inneren Zwiespalt ausschließt, benötigte noch gar viel Missen und Belehrung, bis der schwierigsten aller Fragen, die das liberale Judentum bewegen, der Sabbatfrage, das richtige Verständnis entgegengebracht werden dürfte. Und dann bin ich der Ansicht, es sei gar viel andere Arbeit vorher zu tun, auf sozialem, wie besonders synagogalem Gebiete; gar viel zu verbessern,. zu erneuern, umzubilden, zu reinigen, bevor an die Frage aller Fragen, an die Sabbatfrage, herangetreten werden könne, dürfe! Von unten nachoben,nicht von oben nach unten wird gebaut! Gb nun, verehrter Herr Doktor, wie Sie in Ihrer Darlegung — Heft 3 der Monatsschrift — sagen, mit dem Sabbatgedanken das Judentum steht und fällt? wer vermag es vorauszusagen, die Zukunft muß es lehren. Daß aber mit demselben Rechte und unter denselben Voraussetzungen, wie Sie sagen: „Mit dem Sabbatgedanken steht und fällt das Judentum", auch gesagt werden könne, mit den Speisegesetzen, mit dem Versöhnungstage, mit der rituellen Beerdigung, oder mit irgend einer andern, als besonders wichtig erachteten äußeren Einrichtung,*) steht und fällt das Judentum, oder daß es gerade so zutreffend sei, wie wenn gesagt würde, daß das Judentum mit dem ehemals so fundamentalen Gpferdienst endgültig gefallen sei, **) — verneine ich. Es sollte mich freuen, geehrter Herr Doktor, wenn Sie, da die Sabbatfrage nun doch einmal aufgerollt ist, in dem nächsten „Monatsheft für die religiösen Interessen des Judentums" sich auch über meine, in diesem Briefe ausgesprochenen Ansichten äußern wollten, so wie ich auch nichts dagegen hätte, ja sogar gern sähe und darum *) als: Reform des Gottesdienstes unter Einführung der deutschen Sprache (Beifügung des Briefschreibers). •*) Hellmut Raemy: „womit steht und fällt das Judentum"? (Heft 4 der Monatsschrift.)