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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. Seite 278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
12 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 278 (sequence 14)
Language
German
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278 Weitere Beiträge zur KsbbatfrAge in Briefen an Ar. Morden tisch unrein, weshalb ihn Ezechiel den Priestern verbietet (Levit. U, ^0; \?f \5; Ezech. 3t). Späterhin galt er dann überhauxr für verpönt (Exod. 22, 30, Deuter. ^). Der Nichtgenuß der Spannader, worauf das Verbot der ungexorschten Hinterviertel zurückgeht, wird überhaupt nicht als ein göttliches Gesetz bezeichnet, sondern als eine Folge des Kampfes des Erzvaters Jakob mit einem Engel, wobei ersterer einen körperlichen Schaden erleidet (Genes. 32, 2% ff.). Hier haben wir also eine Sage, oder, wenn man das wort lieber hört, einen Mythos, auf alle Fälle einen unrealen Vorgang, als Grundlage für eine positive in das Gebiet der Ernährung tief einschneidende Vorschrift. Das sind nur einige aus einer erdrückenden Menge von Daten, welche klar zeigen, daß auch das Judentum, wie alles in der Welt, dem Gesetze der Entwickelung gehorcht hat und demgemäß weiter gehorchen wird. Es ist daher eine durch nichts begründete Behauptung, wenn die Orthodoxie ihr System von Glaubenssätzen und Vorschriften als das „Judentum an sich", als das allein wahre Judentum bezeichnet. Da war der Amoräer, der den Ausspruch getan: „Jeder, der das Götzentum negiert, wird Jude genannt", weitherziger und klüger. Und haben nicht auch die Propheten bereits das Schwergewicht der Religion in die Sittenlehre verlegt? So sagt Michah: „Es ist Dir gesagt worden, o Mensch, was gut ist und was Gott von Dir fordert, nämlich Recht zu üben, die Milde zu lieben und in Demut zu wandeln vor Deinem Gott" (6, 4—8). Und hat nicht der berühmte Hillel sich geäußert: „Was Dir selbst verhaßt ist, das tue Deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Thora, das andere ist ihre Auslegung" (Traktat Sabbat 31(a)? Aber trotz alledem konserviert die strenge Richtung den ganzen Ballast der Dogmen und rituellen Vorschriften — von vielen andern namentlich zivilrechtlichen Bestimmungen des Religionsgesetzes haben auch sie sich emanzipiert — unbekümmert darum, ob die Gesamtheit der Juden dabei bestehen kann, unbekümmert darum, ob sie mit geläuterten Anschauungen und den gesicherten Ergebnissen der Wissenschaft harmonieren oder nicht. Gewiß leitet sie dabei ein löblicher Eifer für die Erhaltung ihrer ideellen Güter, und wir sind die letzten, dies zu verkennen. Dieser Eifer, der Taten auslöst, ist auf der anderen Seite leider nicht in gleicher Stärke vorhanden. Wir haben zu viele Indifferente unter uns. Der Indifferentismus aber muß überwunden werden, wenn der Liberalismus den Sieg dauernd an seine Fahnen heften will. Und das muß er wollen, schon um den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rückschritt zu verhindern, den die Vorherrschaft der "Orthodoxie mit Notwendigkeit nach sich ziehen würde. Vveitere Leiträge zur Sabbatfrage in Briefen an Dr. Rorden. in. Mit großem Interesse habe auch ich Ihre beiden Arükel zur Sabbatfrage in Heft 3 und 6 der „Monatsschrift für liberales Judentum" gelesen. Auch ich kann jedes Ihrer Worte unterschreiben, insoweit es die Begründung des Notstandes betrifft, obzwar auch ich mir von Ihren Mitteln zur Abhilfe nicht die erwünschte Wirkung verspreche. Indes, ich vermag sehr wohl Ihren Standpunkt als Rabbiner zu verstehen! Ob ich bei denen stehe, die zum Ausgleich zwischen zeitlicher Notwendigkeit und

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