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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. Seite 277

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
12 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 277 (sequence 13)
Language
German
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o o o o Ar. Karl Ittnrr: Aas Judentum an sich 277 Jungfrau, und ein Mann hatte sie noch nicht erkannt" (Genes. 2% \6). Das deutet offenbar darauf hin, daß der Erzähler nicht an ein dreijähriges Rind, sondern an ein erwachsenes Mädchen gedacht hat. Umgekehrt muß Ismael nach Genesis, Rax. J6, und Rax. 2\, 5, 8, mindestens \5 Jahre alt gewesen sein, als seine Mutter Hagar vertrieben wurde und ihn auf den Schultern mitnahm. Dem Erzähler in Raxitel 2\ schwebte natürlich ein ganz kleines Rind und nicht ein erwachsener Junge vor. Der Hase wird in Levit. U, 6 als ein Wiederkäuer bezeichnet, was er nicht ist. Geflügelte Infekten mit vier Beinen, die Lev. 20 ff. erwähnt werden, gibt es nicht. (5. R. Hirsch gibt in seinem Rommentar z. St. diese Tatsache zu mit dem Bemerken: Eine sachliche Aufklärung wäre sehr erwünscht!) Rultus- und Staatseinrichtungen, soziale und rituale Gebote, alles ist in biblischer Zeit noch im Fluß. „In jenen Tagen war kein Rönig in Israel, jeder tat was ihm recht schien", heißt es sehr bedeutungsvoll im B. d. Richter Rax. X?, wo erzählt wird, daß Michah, ein frommer Efraimite, sich ein Gotteshaus einrichtet, Efod und Terafim, d. h. Götterbilder, darin aufstellt und einem seiner Söhne das Priesteramt überträgt. Als später ein junger Mann aus dem Stamme Levi auf seiner Wanderschaft auf den Berg Efraim kommt, wird er von Michah regelrecht gegen Gehalt und freie Station als „Vater und Rohen" angeftellt. Der Bericht schließt: „Da sagte Michah: Jetzt weiß ich, daß 'Iehovah mir Gutes erweist, da der Levite mir zum Rohen geworden ist." Wer nun aber aus obiger Bemerkung folgern wollte, daß die Rönigszeit der religiösen Anarchie ein Ende bereitet habe, der würde sich sehr irren. Fast auf jedem Blatt der Rönigsgeschichte ist zu lesen, daß trotz der Einrichtung eines Zentralheiligtums unter Salomon die einzelnen Rultstätten (hebr. bamoth) nicht schwanden und die Vielgötterei blühte. Das Volk handelte damit den stabilierten Autoritäten nicht entgegen, verfuhr vielmehr in gutem Glauben und in der Ueberzeugung, ein frommes Werk zu tun. Wie der Monotheismus vor dem Exil noch keine tiefen Wurzeln geschlagen hatte, sondern ihm bis dahin von einem wüsten Götzendienst, der oft die abscheulichsten Formen annahm (Prostitution, Rinderverbrennung), erfolgreich Ronkurrenz gemacht wurde, so hatten auch die Institutionen der von den Propheten gepredigten Religion noch einen sehr unsicheren Boden unter sich. Das Gebot des Essens ungesäuerter Brote gilt nach Lev. 23, 6 7 Tage, nach Deut. f6, 8 nur 6 Tage. Unter Rönig Iosiah wird ein passahfest gefeiert, von dem gesagt wird: „Ein solches Passah wurde nicht begangen seit den Tagen der Richter, die Israel richteten und alle Tage der Rönige von Israel und Juda" (2 Rönige 25, 22). Neben den noch jetzt beobachteten Festtagen wird auch der Neumondstag durch besondere Mxfer, Schofarblasen (Numeri sO, sO; Psalm 8s) und Enthaltung von der Arbeit (Amos 8, 5) gefeiert. Die Sxeisegesetze, die heutzutage fast zum Schiboleth geworden sind, waren ebenfalls noch nicht zum Abschluß gelangt. Daß der Schöpfer des Weltalls dem Moses die Führung des Schlachtmessers gezeigt habe, ist natürlich eine talmudische Fiktion, die genau soviel wert ist, wie die andere, daß er ihm den Tefillinknoten vordemonstriert habe. Der Halsschnitt als praktische, empfehlenswerte Methode der Schlachtung ist etwas, worauf der Mensch auch ohne göttliche Intervention verfallen konnte. Daneben aß man auch Wild, das für gewöhnlich nur mit Pfeil und Bogen zu erlegen war (Genes. 27, \ ff; Deut. \% 5). verendetes und zerrissenes Vieh wurde gleichfalls genossen; der Genuß machte nur levi-

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