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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 11 (1909) · p. Seite 261

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
11 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 261 (sequence 21)
Language
German
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Kü chrrfcharr 261 katechismusartig, vermeidet. Er behandelt aufeinanderfolgend in 13 Kapiteln, die miteinander in logischem Zusammenhang stehen, das Wesen der jüdischen Religion, ihre Lehre von Gott, die Bestimmung des Menschen, Sünde und Buße, Menschenschicksal und Gottvertrauen, die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, vom messianischen Reich, die Stellung des Juden zum Vaterland, zur Familie und zur Glaubensgemeinde, Sabbat und Festtage und die Quellen der jüdischen Religion. Zn der Darstellung, die mit wenigen Ausnahmen ansprechend, schlicht und leicht verständlich ist, verwebt er die Lehren der Religion mit den aus ihnen sich ergebenden Pflichten, die er, wie ich es auch für zweckmäßig halte, nur im Großen nennt und nicht ins Einzelne zerlegt. Auch darin kann ich ihm nur zustimmen, daß er die übliche Unterscheidung in Glaubenslehre und j)flichtenlehre im Buche nicht vornimmt. Denn ganz abgesehen davon, daß sich weder in der Darstellung im Lehrbuche noch im lebendigen Unterricht diese Trennung streng durchführen läßt, sondern Lehre und Pflicht stets miteinander in Zusammenhang gebracht und in ihrer gegenseitigen Bedingtheit gezeigt werden müssen, ergibt sich aus dieser Zerlegung noch folgender Uebelftand. Im Buche selbst muß, um das System der Religion als ein geschlossenes und festgefügtes Gebäude erscheinen zu lassen, die Glaubenslehre als das Grundlegende zuerst behandelt werden, mit dem Schüler aber muß erst die jDflichtenlehre und dann erst die Glaubenslehre als das Schwierigere durchgenommen werden. Auch das ist zu loben, daß Verfasser die einzelnen Bibelstellen nicht aus ihrem Zusammenhänge genommen als Belegstellen aneinanderreiht, sondern sie in breitem Rahmen in die Darstellung hineinverwebt. Die Sprache des Buches gewinnt dadurch an Flüssigkeit, die einzelnen Elemente der Religion treten stärker in ihrem Zusammenhang mit der Bibel hervor, und die Persönlichkeiten, die als religiös beispielgebend angeführt werden, stehen lebendiger vor uns. Trotz dieser Vorzüge erscheint mir das Buch in der vorliegenden Fassung noch nicht zur Einführung in den Unterricht geeignet. Es soll nach dem Geleitwort seine Verwendung finden „in der Dberklasse der Volks- und Religionsschulen, in der (Quarta, Unter- und Obertertia der Gymnasien und den entsprechenden Klassen der höheren Töchterschulen". Gerade diese Klassen und diese Stufe halte ich für eine derartige Behandlung des Stoffes, die ein hohes Maß von eigenem Urteil und eigenem Nachdenken über das Gelesene vom Schüler verlangt, nicht für geeignet. Bei der Gberklasse der Religionsschulen verstärkt sich die Schwierigkeit noch dadurch, daß die sie besuchenden Kinder von verschiedenem Alter und verschiedenem Bildungsgang sind. Ich würde die angewandte Form der Behandlung für durchaus am Platze halten bei einem Lehrbuche, das für die reifsten Schüler, die Gbersekundaner und Primaner und eventuell für die im Konfirmandenunterricht Vereinigten berechnet ist, für diese Stufe aber würde wiederum das Buch in seiner vorliegenden Fassung nicht genügen, da müßte ganz besonders in den grundlegenden Kapiteln wie „Lehre von Gott", „Bestimmung des Menschen" u. a. doch erheblich mehr gesagt werden, wird doch ein so Wichtiges wie die Lehre von der Willensfreiheit mit dem einen Satze: „wir können sie (d. i. die Neigung zum Bösen) überwinden, denn wir besitzen Willensfreiheit" erledigt. Ich halte dies für den entscheidenden Irrtum des Buches. Es setzt voraus den willen und das Vermögen des Schülers, sich in die Lektüre des Buches zu vertiefen und an der biand der von höherem Gesichtspunkt getragenen Darstellung selbständig den weg in das praktische Leben zu finden, die Notwendigkeiten des eigenen Lebens daraus zu schöpfen; es setzt ferner voraus, ein Verständnis für den systematischen Aufbau des ganzen Religionssystems und für die Notwendigkeit des inneren Zusammenhangs der einzelnen religiösen Lehren und für deren Verbindung mit den Pflichten. Ich bezweifle, ob dies alles in den: Alter und in der Stufe, für die das Buch gedacht ist, vorhanden ist, ich bezweifle es aus theoretischen Erwägungen und aus der eigenen Lehrpraxis. bster scheint mir der wesentliche Fehler des Buches zu liegen. Außerdem sind gegen manche der im Buche vorgetragenen Lehren erhebliche Ein-

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