Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 11 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Küchrrfrhau o o o o weiß, was in ihrer frühesten fugend im Elternhaus rtocfy Sitte war? Der Sohn einer solchen Mutter wahrscheinlich, ein Jüngling von ca. *8 Jahren, erbat sich jüngst in einem jüdischen Jugendverein, als über Lhanuka 'die Rede war, Auskunft darüber, warum man eigentlich am Lhanuka Mazzoth esse; er hat keine Ahnung davon, daß Mazzoth und j)eßach zusammengehören. Bedarf es nach all dem noch eines Beweises, daß diesen Berussständen, welche ich angeführt, und vielen anderen Gelegenheit gegeben werden muß, ihre gottesdienstliche Verrichtung zu einer Zeit zu betätigen, in welcher der Lhef nichts versäumt, in welcher der Rechtsanwalt keine Termine hat, in welcher der Arzt keine Sprechstunde abhält, in welcher der Angestellte keinen Urlaub zu erbitten braucht, an einem Tage, an welchem allediese Genannten ohne Ausnahme von Rechts und Gesetzes wegen gezwungen sind, zu feiern? Bedarf es noch eines Beweises dafür, daß nur die Einführung eines Sonntagsgottesdienstes imstande ist, die Iudenheit dem Judentum wieder zuzuführen? wäre es nicht für jeden Juden, der seine Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft noch nicht ganz verleugnet hat, ein Leichtes und ein Genuß, Sonntags Morgens, wenn er und seine Familie doch festtäglich gekleidet sind, mit Frau und Rind eine Stunde zur Synagoge zu gehen? Man komme mir nicht mit der so oft gehörten Ausrede: „Sie werden doch nicht kommen." Man versuche es nur, aber in richtiger weise. Ich gebe mich auch nicht der Hoffnung hin, daß nun mit einem Mal alles herbeiströmen und die Gotteshäuser füllen wird; das ist auch nicht nötig, von den vielen werden wenige kommen, die wenige werden mindere mitbringen. „Rom ist nicht an einem Tage erbaut worden," aber „steter Tropfen höhlt den Stein", zwei alte Sprichwörter, die hier wohl sinngemäße Anwendung finden können. Darum schließe ich mit jenem alten Römer: „Oetsriun eenseo": Die Einführung des Sonntagsgottesdienstes ist eine dringende Notwendigkeit, wenn die Juden heit dem Judentum erhaltenwerden soll. Die Verlegung des Samstag auf den Sonntag wird dann von selbst kommen; darin stimme ich vollständig mit den Ausführungen des Herrn Münsterberg, dessen Brief Sie in Ihrem letzten Aufsatz veröffentlichten, überein. Siegmund Lppinghausen - Dortmund. -i- * -r- Büdierfdiau. „Jüdische Religion". Gin Lehrbuch von Ar. F. Coblrnz, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Kielefeld, *908. Quelle u. Meyer in Leipzig. 80. *27 S. — Zur Einführung in den Religionsunterricht ebenda 23 S. Es heißt ein oft Gesagtes wiederholen, wenn man den Wunsch nach einem Lehrbuch für den systematischen Religions-Unterricht aussxricht, das die Mängel der bisherigen Lehrbücher vermeidet, und damit zugleich konstatiert, daß den z. Z. im Gebrauch befindlichen, auch den besten, Mängel anhaften. Das vorliegende Büchlein will diesem Wunsche Rechnung tragen, und es ist zu prüfen, inwieweit dem Verfasser seine Aufgabe gelungen ist. Beginnen wir zunächst da, wo wir loben dürfen. Verfasser hat unzweifelhaft Recht, wenn er von dem Brauch, der in den meisten der vorhandenen Lehrbüchern festgehalten ist, abweicht und eine Aufzählung der einzelnen Pflichten nach einem Schema,