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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 11 (1909) · p. Seite 258

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
11 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 258 (sequence 18)
Language
German
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258 Weitere Beiträge zur Sabbatfrage in Briefen an Ar. Norden dieser von der Sabbatseier sans phrase abhängig gemacht sein könnte. Lsenrv Hoffstädt - Berlin. * * rill. Sehr geehrter Herr Rabbiner! Ich habe mit großem Interesse Ihre beiden Abhandlungen über „Lin Wort zur Sabbatsrage" in Nr. 3 und 6 der Monatsschrift „Liberales Judentum" gelesen, und Ihr Wunsch am Schlüsse des letzten Aussatzes, „es mögen sich noch weitere Stimmen zu diesem Vorschläge vernehmen lassen", ermutigt mich. Ihnen meine Ansicht über diese Frage mitzuteilen. Ich schicke voraus, daß meine Ausführungen keinen Anspruch daraus machen, aus ihren wissenschaftlichen Wert geprüft zu werden, ich übergehe auch die Frage der Ueberlieferung, Gewöhnung usw., obgleich ich nicht verkenne, daß diese letztere nicht unberücksichtigt bleiben darf; ich gestatte mir vielmehr als Laie und aus meiner Berufstätigkeit als Kaufmann heraus die von mir gemachten Beobachtungen hier niederzuschreiben. Ich bin allerdings auch der Ansicht, daß diese Frage nicht von den Männern der Wissenschaft allein gelöst werden darf und kann, glaube vielmehr, daß die praktische Erfahrung hier ein großes, wenn nicht das Hauptwort, reden muß, denn die Frage ist keine Frage der Wissenschaft, kein Dogma, welches umgestoßen werden soll, sondern lediglich eine Frage der Taktik, der Praxis. Tatsache ist, daß seit mehr denn 20 Jahren in der Iudenheit ein großer Indifferentismus Platz gegriffen hat, unsere Gotteshäuser stehen leer, andere religiöse Veranstaltungen finden nur noch Interesse bei einigen Wenigen in jeder Gemeinde. Die weitaus größte Anzahl aller Gemeindemitglieder kümmert sich längst nicht mehr um alle Angelegenheiten — nicht allein den Besuch des Gottesdienstes —, die die Gemeinde betreffen. Tatsache ist auch, daß führende Geister unter uns längst diesen Schaden für die Religionsgenossenschaft erkannt und Mittel und Wege ersonnen und angewandt haben, um diesem Uebel entgegenzutreten. Aber mit welchem Erfolg? Man richtete modernen Gottesdienst (deutsche predigt, Gesang, Orgel usw.) ein, man gründete Literaturvereine mit der ausgesprochenen Absicht, die Glaubensgenossen durch Vorträge über jüdische Literatur und Geschichte für das Judentum wieder zu interessieren, die jüdischen Logen ermunterten ihre Mitglieder in lobenswertester Absicht, ihre Zugehörigkeit zum Judentum zu betätigen, und andere Versuche mehr. Und alles dies mit welchem Erfolg? Die Gotteshäuser wurden leerer denn je! Etwa aus böser Absicht? Keineswegs, einzig und allein aus dem von Ihnen richtig angeführten Grunde, daß die überwiegende Mehrheit der deutschen Juden unter den obwaltenden Verhältnissen beim besten Willen ohne Vernachlässigung ihrer Berufsxflichten nicht in der Lage ist, ihrer Pflicht zu genügen. Ich unterscheide hier allerdings zwei Weltanschauungen: Wer die Anschauung vertritt, daß zuerst und unter allen Umständen die Religion und dann der Broterwerb kommt, mit dem will ich hier nicht rechten, ich will ihm seinen Glauben nicht nehmen, er mag alle ihm vorgeschriebenen Gebräuche gewissenhaft erfüllen und eventuell hungern. Wer jedoch mit mir von der Ansicht ausgeht, daß erst das Brot, die Pflichten gegen seine Familie, gegen den Staat und dann die Religion ihr Recht fordern muß, und ich glaube, das sind die bei weitem meisten unter uns, der ist tatsächlich heute nicht mehr in der Lage, ebensowenig durch andere Beteiligungen, als durch den Besuch des Samstag-Gottesdienstes seine Zugehörigkeit zum Judentum

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