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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 11 (1909) · p. Seite 256

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
11 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 256 (sequence 16)
Language
German
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256 Wertere Beitrüge;ur Sabbatfrage in Briefen mr Ar. Norden nicht die predigt des „Menschen", sondern des Bekenntnisses, also der Verschiedenheit ist. Nichts weniger als „erfüllt" oder überwunden ist die Sendung Israels, sondern im Gegenteile: Israel sollte heute mehr als je mit Begeisterung seine heilige Sendung wieder aufnehmen. Israel soll nie sein Zeremoniell, aber ewig den Menschen predigen. Und was fehlt den heutigen Russen, was den Rumänen, was den Milden, als die predigt des. .„Menschen"? Ja, was fehlt der Kirche überhaupt? Nichts als die predigt des Menschen! Denn die Torquemadas sind nicht ausgestorben, die Auto-dafee's noch nicht erloschen, sie haben nur andere Namen und andere staatliche und gesellschaftliche Formen angenommen. Die Mission Israels ist nichts weniger als erloschen, aber nicht im zionistischen Sinne, als Nation, sondern als Glaubensgemeinschaft. Die Ueberwindung alles partikularistischen durch den „Menschen" ist eben das Mesen des Judentums. Montefiore läßt gar keinen Zweifel darüber, wie er in diesem Punkte denkt. Er sagt: „Die Religion kann für uns nichts rein Nationales sein, denn nur einer Lehre, die vorurteilsfrei und kosmopolitisch ist, können wir folgen." Montefiores liberales Judentum ist reines Religionsjudentum, es sucht keinen Ersatz für die verlorene Religion im Nationalismus, denn die Religion ist ihm das Wesen, und für das Wesen gibt es keinen Ersatz. Da heißt es: „Sein oder Nichtsein." Wir sehen, daß wir in Montefiore einen ebenso klar denkenden, als begeisterten Fahnenträger des „Liberalen Judentums" haben. Mir können Klarheit und Begeisterung für unsere Aufgaben aus seinem Buche schöpfen, und auch für die praktische Gestaltung des liberalen Judentums ist sein Buch eine reich sprudelnde (Quelle höchst beachtenswerter Vorschläge, die überall die genaueste Kenntnis des Menschen und der Tatsachen, der Vergangenheit und der Gegenwart verraten. Möge die Lektüre dieses Buches eines Nichttheologen auch viele andere Nichttheologen unter den liberalen Juden veranlassen, in ihr eigenes Herz zu schauen und ihr Denken und Fühlen den Brüdern mitzuteilen! An philosophischen und theologischen Darstellungen leiden wir keinen Mangel. Was uns fehlt, das sind Darstellungen des frisch pulsierenden religiösen Lebens, des Judentums, wie es in dem Seelenleben seiner liberalen Bekenner tatsächliche Wirklichkeit ist. Das kann kein Fremder offenbaren, das kann nur Selbstoffenbarung sein. Weitere Beiträge zur Sabbatfrage in Briefen an Dr, ltorden. i. Seit Jahren schon — dies sei meine Legitimation — strebe und wirke ich nach meinen schwachen Kräften im Geiste der liberalen Bewegung im Judentum und bin dementsprechend Mitglied aller derselben Richtung dienenden Vereinigungen. Somit habe ich auch mit großem Interesse von dem Artikel Ihrer Feder und den sich hieranschließenden Ausführungen Kenntnis genommen, welche die „Sabbatfrage" beleuchten. Gestatten Sie, geehrter Herr, daß ich zunächst meinen allgemeinen Standpunkt dahin klar stelle, daß ich nicht für Abschaffung des Sabbatgottesdienstes und zwar mit Rücksicht auf Andersdenkende und aus dementsprechenden Billigkeitsgründen bin, daß ich aber andrerseits für einen diesem

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