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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 10 (1909) · p. Seite 234

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
10 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 234 (sequence 18)
Language
German
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234 Ar. Köhler: Girre Prophrtenstirnme aus dem Grabe stabenvergötterern zum Zerrbild entstellt und dem Fluch der Lächerlichkeit xreisgegeben sieht, da es doch zum Licht der Nationen und zum sanier der Völker bestimmt ist. Am schärfsten geht unser Autor jener mit ihrer sogenannten Wissenschaftlichkeit prunkenden „Neuorthodoxie" zu Leibe, die jedem mittelalterlichen Werk und Manuskript haarklein die Stellung im chronologischen und literaturgeschichtlichen System beimißt, für den inneren Wert und Unwert desselben jedoch kein vernünftiges Wort zu sagen hat, die immer nur am Buchstaben hängt, niemals aber den Kern, den inneren Wahrheitsgehalt zu prüfen den Mut hat. Wohl das Köstlichste in der ganzen Schrift ist die Besprechung eines im Jahre s860 abgegebenen und in einer Wiener Wochenschrift vom Jahre s886 abgedruckten Gutachtens des Seminardirektors Zacharias Frankel betreffs eines Denkmals, das die Juden von New-Grleans dem amerikanisch-jüdischen Philantropen Juda T o u r o zu errichten beabsichttgten. Der bekannte Begründer des sogenannten „historischen Judentums" verbietet hier nicht etwa bloß die Errichtung einer Statue, sondern die Ausübung der Bildhauerkunst, soweit sie auf menschliche Gestalten sich erstreckt, und in sklavischer Abhängigkeit vom Schulchan- Aruch erklärt er, daß nur solche Statuen und Statuetten in jüdischen Däusern geduldet werden dürfen, die an Nase oder Auge verstümmelt worden sind. Treffend bemerkt hierzu Professor Lazarus, daß hier von einer wahrhaft historischen Erfassung des auf Götzendienst bezüglichen biblisch-rabbinischen Verbots keine Spur zu finden ist. Keine Darlegung des Wesens der Kunst und ihrer Bedeutung für die menschliche, die fortgeschrittene Kultur und des Verhältnisses des modernen Judentums zu derselben! Nur die Knechtschaft des überlieferten Worts, der Götzendienst des Buchstabens kommt hier zur Geltung. Nur eine der Vergessenheit anheimgefallene Satzung wird gedankenlos nachgeschrieben, keineswegs aber aus dem lebendigen Geist des Judentums geschöpft. Und nun folgen beherzigenswerte Winke für jeden wahrheitsliebenden Lehrer und Bekenner des Judentums: „Ls gibt keine religiöse, plastische Kunst für das Judentum. Raphael und Michelangelo haben einen Zeus gemalt, als sie Jehovah darstellen wollten. Der Synagoge bleibe jegliches plastische Gebilde, jede malerische Darstellung eines Menschen fern, Hier wird Gott allein verehrt. Aber auch außerhalb des Gotteshauses, in den öffentlichen und privat-Häusern bleibe jede plastische und malerische Darstellung Gottes fern. Für Juden und Judentum gibt es keinen gemalten und gemeißelten Gott. Mit allen anderen Gebilden der Kunst aber mag jedes Haus sich schmücken und der göttlichen Gabe künstlerischer Gestaltung Huldigung zollen. Fristet ja in der Wohnung manches Schülers Frankels der Moses von Michelangelo oder von Rauch unverstümmelt sein Dasein, ohne Gewissensbisse zu verursachen." Ganze Bände voll gelehrten Krimskrams der Schulen wiegen die hier gegebene Würdigung des Judentums nicht auf. Dagegen vergleiche man Geigers Gutachten über ein Mosesbild in einem Synagogenfenster in s. Jüdischen Zeitschrift III, \36 f. Doch Lazarus zieht noch weiter gegen diese „historische" Schule zu Felde, die trotz allen besseren Wissens mit Berufung auf Jahrhunderte lang gegoltene Satzung „allen Irrtum, Unverstand, Mißbrauch und Widersinn" heilig spricht und „durch dieses geistige Messen mit zweierlei Maß, dieses Denken nach zweierlei Denkgesetzen" die Gebildeten abstößt und entfremdet. Als Beispiel wird eine Entscheidung der Repräsentanten der Berliner jüdischen Gemeinde angeführt, die einem Mitglied das Recht zuerteilt, für

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