Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 9 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Arrnd scharr o o o o gerichtet seien. 3m Kampfe gegen den Indifferentismus im Judentums beanspruchen wir lediglich dieselbe Existenzberechtigung wie jene. Wir müssen vor allem bestrebt sein, auf die Jugend dahin einzuwirken, daß wir sie für unsere Sache gewinnen, und ebenso werde sicher die Ortsgruppe angelegen sein lassen müssen, für gemeindlichen Angelegenheiten ihre ganze Kraft einzusetzen, wie sie unserer Richtung, unserer reformbedürftigen Zeit im Judentums entspreche. — Diese Worte fanden warmen Widerhall, welchen Herr Albert Landauer dazu benützte, die Anwesenden zum Beitritte zu unserer Ortsgruppe zu ersuchen. — Hierauf nahm Herr Iustizrat Dr. Blau das Wort. <£v entwickelte in seinem etwa eine Stunde dauernden Vortrage eine Fülle von Gedanken, nach Inhalt schwerwiegend und in der Form vollendet, wie es für eine große erhabene Sache und für deren Propaganda nicht schöner und packender gedacht werden kann. Der Vortrag soll und muß im Druck erscheinen. Stürmischer, nicht endenwollender Applaus folgte demselben. Der Erfolg war ein ganzer; die markigen, geistvollen, das Ziel unserer Bestrebungen ins Herz treffenden Ausführungen leben noch heute in uns derart fort, daß wir immer und immer wieder neue Mitgliederanmeldungen erhalten, so daß unser Verein heute — am 30. April — 365 Mitglieder zählt, gewiß eine stattliche Anzahl für die kurze Zeit unseres Bestehens. — Herr Albert Landauer dankte dem Herrn Iustizrat Dr. Blau für seine große Leistung des Abends, welche ganz dazu angetan sei, unsere Sache auf das ihr gebührende Niveau zu heben. Hierauf ergriff Herr Iustizrat Dr. L. Bauer aus Augsburg das Wort. Gr setzte auseinander, wie es unserem Judentums nottue, in der Schule bessere Lehrmethoden, in dem Elternhause, wie in der Synagoge dem Empfinden des neuen Geschlechts besser entsprechende Fornren einzuführen, mehr, deutsch zu beten zc. zc. Er bemerkte, die Augsburger Iudenschaft sei ganz begeistert von den Tendenzen der liberalen Vereinigung, die daselbst auf fruchtbaren Boden gefallen. Seine Worte fanden ungeteilten, reichen Beifall. — Nach diesem Herrn ergriff unser zweiter Vorsitzende, Herr Iustizrat Dr. H. Frankenburger das Wort zur Verlesung unserer Satzungen, welche auf Vorschlag des Herrn Kommerzienrats Jos. Thann Hauser per Akklamation angenommen wurden. — Herr Alb. Landauer schloß hierauf die Versammlung, nochmals darauf hinweisend, wie weittragend und vielbedeutend der heutige Abend sei, von dem er hoffe, daß er unsere Ideale der Verwirklichung entgegenführe. Nach der versaminlung fand noch ein gemütliches Zusammensein der Herren vom Komitee und deren Damen mit Herrn Iustizrat Dr. Blau statt, und so wurde der Abend in angeregter fröhlicher Stimmung beschlossen. Banzig, im April *909. Am 30. März fand im Kolonialsaal des Hotels „Danziger Hof" die erste Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Danzig der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland statt. Außer den Mitgliedern war eine namhafte Zahl von Damen und Herren, bei denen Verständnis und Interesse für die Bestrebungen des liberalen Judentums vorausgesetzt werden konnte, geladen und auch erschienen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Iustizrat Steinhardt, begrüßte die Versammlung und gab einen kurzen Ueberblick über die Entstehung und seitherige Betätigung der Liberalen Vereinigung. Nach ihm ergriff Herr s)rivatdozent Dr. Goldstein- D ärmst ad t das Wort zu seinem Vortrage: „Welche Gefahren bestehen für den religiösen Liberalismus des Judentums." Ausgehend von den geschichtlichen Anfängen eines allgemeinen Liberalismus, der sich erst in langem Kampfe mit dem Glauben an die unbedingte Autorität des Ueberlieferten durchgesetzt habe, schilderte der Redner in großen, markigen Zügen, wie das Judentum, seit Moses Mendelssohn und der Lmanzipationsepoche in diesen Kampf mithineingesellt, in zweifacher Weise, nach der religiösen und nach der politischen Seite, Stellung zu nehmen gezwungen war. Er zeigte, wie ein großer Teil der deutschen