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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 9 (1909) · p. Seite 206

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
9 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 206 (sequence 14)
Language
German
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206 Else Morn: Judentum und Feuerbestattung Existenz kämpft und deren Anschauungen von der großen Masse durchaus nicht geteilt werden. Wahr ist aber, daß Abfall und Uebertritt, der aus, anderen, materiellen Gründen erfolgt, sich selber den Anschein der Berechtigung zu geben versucht, indem er auf die angebliche Einheitlichkeit der religiösen Anschauungen bei Judentum und modernem proteftcmtismus hinweist. Diesen versuchen von vornherein die Spitze abzubrechen, damit der Uebertritt ohne jede Beschönigung in seinen wahren Motiven zu Tage tritt, muß mit eine Aufgabe der religiösen Erziehung sein, durch die wir die jüdische Jugend für das Leben stählen. Gewiß wäre zu bedenken, daß eine Besprechung der christlichen Lehre große Anforderungen an den Takt des Lehrers stellt. Nur darf nicht vergessen werden, daß für einen sehr großen Teil der jüdischen Geschichte überhaupt (die Erlebnisse der Juden in Spanien, die Zeit der Kreuzzüge rc.) genau dasselbe gilt; fast möchte man sagen, daß die rein geschichtlichen Beziehungen zu ihrer Darstellung ein weit größeres Taktgefühl verlangen! Und wie es ein Zeichen von Schwäche wäre, wenn dieser Grund zur Ausmerzung irgend eines historischen Ereignisses Anlaß gäbe, so kann ein solcher Gesichtspunkt — ganz abgesehen davon, daß man zu dem jüdischen Lehrer das notwendige vertrauen haben muß — nie und nimmer von Einfluß darauf sein, ob der geschilderte Gegenstand einen Teil des Religionsunterrichts bilden soll oder nicht. Daß seine Aufnahme nach jeder Richtung hin zur Festigung der religiösen Anschauung, die die jüdische Zugend in das Leben hinaus nimmt, beitragen würde, darf gewiß sein, und diese Ueberzeugung, daß er segensreich wirkt, ist der einzige Faktor, von dem wir unsere Entscheidung abhängig machen dürfen. Judentum unä?euerbellattung.) Von Me Vorn-Nürnberg.**) enn in jüdischen Kreisen die Rede auf | die Feuerbestattung kommt, so wogt das Für und Wider der Meinungen in besonders lebhafter Weise hin und her, nicht etwa aus krassem Fanatismus gegen oder *) Als (Quellen sind benutzt: Hamburger Realencyclopädie, Supxl. II, S. 38. Neustrelitz 1(896. Zewish Encyclopedia, *905. Band IV, 5. 5^2 ff. Wiener, „Beerdigung und Feuerbestattung nach Bibel und Talmud" in Zeitschrift Flamme *885, 5. *5H ff. Zeitschrift Flamme *90*—02, S. 56^8 ff. Dr. K. Weigt, Katechismus der Feuerbestattung, *900. **) Anm. d. Red.: Die Verfasserin ist unter ihrem Schriftstellernamen Else Dorn in Feuerbestattungskreisen bekannt und als Vorstandsmitglied des Nürnberger Feuerbestattungsvereins agitatorisch sehr tätig. Zhr wirklicher Name ist Frau Else Dormitzer aus Nürnberg. aus ungewöhnlichem Enthusiasmus für diese viel umstrittene Bewegung, sondern wohl meist aus der Tatsache heraus, daß die Stellung unserer Religion zur Feuerbestattung in keiner Weise präzisiert ist. Da weiß ein Redner krasse Fälle von jüdischer Unduldsamkeit, ein anderer rührende Beispiele von Toleranz zu diesem Thema, und beide, so merkwürdig es klingt, haben vollständig recht, denn in keiner Religionsgemeinschaft sind die Gegensätze auf diesem Gebiete so groß und einschneidend, als gerade in der unsrigen. Wenn wir z. B. hören, daß der Chemnitzer Rabbiner sich bereit erklärt hat, im dortigen Krematorium bei Einäscherung einheimischer und auswärtiger Süden seine religiöse Funktion auszuüben, so steht dazu im strikten Gegensatz das Gebühren des Rab-

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