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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 9 (1909) · p. Seite 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
9 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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LCTawaaEW'a»««ig<iaa»ga' 204 Ar. FrliX Gsldmann: Are Behandlung fremder Bekenntnisse kommenden Rirche allein maßgebend fei und nicht die s)rivatanschauung irgend eines hervorragenden Gelehrten. Dem Lehrer muß es, unbeschadet seiner persönlichen, wissenschaftlichen Ueberzeugung, im Unterricht gleichgiltig sein, wie bsarnack den Begriff des „Gottessohns" verstanden wissen will und was Ualthoff über die Person Jesu denkt, ihn kümmere nicht die „symbolische" Auffassung, die so mancher sudentaufende Geistliche von der Auferstehung und vom Teufel hat. Für den Unterricht gilt allein, um das Beispiel der evangelischen Airche zu nehmen, die Lehre, welche sich das christliche Kind in den Morten des zweiten Hauxtstücks, des apostolischen Glaubensbekenntnisses, einprägt. Diese Feststellung ist darum durchaus notwendig, weil es gerade auf den Gebieten der Lehre von Gott und vieler rein ethischer Begriffe genug christliche Gelehrte gibt, deren öffentlich geäußerten Anschauungen sich von den jüdischen kaum merklich unterscheiden und trotzdem noch immer als christlich gelten, eine Tatsache, die in dem Denken religiös unzureichend geschulter Juden oft genug eine unheilvolle Verwirrung angerichtet hat. welche wichtigen Verschiedenheiten wären nun in diesem Unterrichte zu betonen? In erster Reihe steht hier der Gottesbegriff selber. An die Darstellung des ethischen Monotheismus der Propheten und der Vorstellung, die sich das spätere Judentum von der Gottheit macht, knüpft sich zwanglos die Schilderung der christlichen Auffassung. Dem unmittelbaren Verhältnis des Menschen zu dem einen Gott auf der einen Seite, wird auf der andern der Gedanke der Dreieinigkeit und der daraus sich ergebende des Mittlers zwischen Gottheit und Mensch gegenübergestellt. In katholischen Gegenden wird natürlich auch auf die Stellung der Maria sowie auf die Bedeutung der heiligen und ihres Kults einzugehen sein. Der innere Gegensatz gerade in der Lehre von Gott, der ja auch in wichtigen Äußerlichkeiten des Gottesdienstes zu Tage tritt, gehört allerdings zu denen, die häufig heute schon — meist bei der Besprechung des zweiten Gebotes — berührt werden, und seine Wichtigkeit ist zudem so offensichtlich, daß sich ein genaueres Eingehen auf diesen j)unkt innerhalb eines so engen Rahmens erübrigt. Ganz daselbe gilt auch, um vom Gottesbegriff auf die Stellung und Bedeutung der Person Jesu überzugehen, von der Auffassung des Messianismus bei Juden und Christen. Hier müssen die Unterschiede nach allen Richtungen hin deshalb besonders eingehend behandelt werden, weil dieses Gebiet in seiner praktischen Anschaulichkeit selbst bei solchen Schülern, deren Auffassung zu wünschen übrig läßt, starke und nachhaltige Wirkungen erzielen wird. Die Abweichungen in anderen Begriffen treten zwar äußerlich nicht so stark zu Tage, aber gerade dies ist ein Grund mehr, der veranlassen muß, sie dem Schüler zu Bewußtsein zu bringen, von dem Wesen Gottes zum Menschen übergehend, ist zunächst die verschiedene Bewertung des menschlichen Lebens hervorzuheben: Beim Judentum der Nachdruck, der auf das irdische Leben gelegt wird, das jedem Wesen die Möglichkeit zur Entfaltung seiner individuellen Kräfte des Körpers, des Geistes und des Willens und damit innerhalb gewisser Grenzen zur Erarbeitung seines Lebensglücks gibt, beim Christentum die Auffassung des irdischen Daseins als des geringeren Teils, dem nach der Auferstehung des Fleisches das ewige und eigentlich wertvolle Leben erst folgt! Eng mit dieser Frage in Zusammenhang steht die Lehre von Lohn und Strafe, sowie der Sünde, wenn auch hier die Darstellung gewiß nicht — nach dem Beispiel mancher Lehrbücher — auf eine einfache Wiedergabe des Satzes Abot IV 2 hinaus

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