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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 8 (1909) · p. Seite 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
8 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 189 (sequence 21)
Language
German
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o o o o Süchrrschs« 189 allem um die Zwecke, die Lazarus mit diesem Aufrufe fördern will, die der Erneuerung und Selbstläuterung des Judentums. Lazarus' wissenschaftliche Bedeutung gehört heute der Geschichte an und wird bereits, mehr und gerechter noch als bei seinen Lebzeiten, in den weitesten Rreisen gewürdigt. Hatte er bei Lebzeiten Verehrer, dann heute Bekenner. Wo früher seine einzigartige Persönlichkeit faszinierend wirkte, da tritt heute die Macht und Wucht seiner Gedanken, losgelöst von aller persönlichen Beeinflussung, überzeugend in die Schranken. Sechs Jahre werden es in wenigen Tagen sein, da er in Meran zur ewigen Buhe gebettet wurde. Sechs Jahre sind eine lange Spanne in unserer schnelllebigen Zeit, damals war der ,, Aufruf" bereits ein Jahrzehnt alt, und trotzdem gehört er zu den alleraktuellsten literarischen Erscheinungen, trotzdem ist kein Buchstabe in der ganzen, äußerst fesselnden Schrift veraltet. Gründe der Wahrheit und Gerechtigkeit führt Lazarus in der nur ihm eigenen anziehenden Weise ins Treffen für seine Ueberzeugung, Wahrheit und Gerechtigkeit aber veralten nie. Wer, frei von aller Voreingenommenheit, nur solche auf sich wirken lassen will, wirken lassen aus dem Ideenschatze eines geläuterten Weisen vom Schlage eines Lazarus, und geschrieben mit der Wärme eines von Begeisterung für seine Religion durchglühten Juden, der nehme das Buch zur Hand, der versenke sich in die reiche Fülle der Gedanken, die es bietet und zu denen es anregt, der erkenne, wie dringend geboten die Erneuerung des Judentums ist, und wie einzig richtig der Weg, dessen Richtlinien hier vorgezeichnet werden. Da spricht nicht die Neuerungssucht, und nicht der Reformeifer, auch nicht irgendwelche Assimilationsneigung, hier spricht das Recht des Judentums, sein Recht, daß es seinem wirklichen geschichtlichen Daseinszweck entsprechend erkannt, gehandhabt, gelehrt und dargestellt werde, daß der ihm und seinen Gesetzen innewohnende kulturell-erzieherische 'Geist zur Geltung komme und nicht unter einer Welt von Schutzvorschriften vollständig verborgen, wenn nicht gar ganz erdrückt werde. Wesentlich und allein wichtig, über alle Wandlungen und Meinungen erhaben, ist nur der Geist, nicht aber die Form des Religionsgesetzes. Wo letztere dem ersteren Gefahr zu bringen droht, wo, wie es Lazarus an vielen Beispielen zeigt, die bis ins Maßlose gesteigerten minutiösen Schutz- und Sondervorschriften ganz und gar vergessen lassen, was eigentlich Zweck und Grundgedanke des ursprünglichen und eigentlichen Gesetzes gewesen, da hat unbedingt die Form, die immer nur Mittel ist, hinter dem Zwecke, den der Gesetzesgeist verkörpert, zurückzutreten. Von seinen Gedanken über die Erneuerung des Judentums sagt Lazarus im Vorworte: „Wenn sie als Saatkörner im Geiste künftiger Führer des Iudentumes gedeihlich aufsprießen, dann habe ich nicht umsonst gelebt! Höher als alles, was mir etwa sonst im Leben zu leisten vergönnt war, werde ich dann diese Mitwirkung an einer Erhebung, Befreiung und Veredelung des Iudentumes achten." Frau Nahida, Idealistin wie ihr Gatte, hält die Zeit für Lazarus' edles Streben reif. Möge ihr die Geschichte einst zustimmen. Göppingen. Rabbiner Ar. Tänzer. Religionsphilofophifche fragen. Cine Erwiderung von Rabbiner Dr. tewkawitz- Schneidemühl. Herr Dr. Steckelmacher hat in seiner Besprechung meines Buches „Judentum und moderne Weltanschauung" gegen meine Ausführungen verschiedene Einwände erhoben. Da es sich hierbei um Fragen von allgemeinem Interesse handelt, möchte ich auf die Bemerkungen des Rezensenten kurz erwidern. Die vorisraölitischen Religionen lassen sich als Naturreligionen kennzeichnen, ihre Göttergestalten sind ja nichts anderes, als personifizierte Natur. Worauf beruht die religiöse Verehrung der Natur? Sie stammt aus dem Gefühl der Andacht vor der Gewalt und Majestät ihrer Erscheinungen. Demnach bilden aefthetische Empfindungen die Wurzel, wenn auch nicht das einzige Motiv, der heidnischen Religiosität, da ja das Erhabene nur eine Form des Schönen ist. Dieser Anschauung stellt Herr Dr. Steckelmacher seine eigene Theorie entgegen, die er in seinen, mir

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