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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 8 (1909) · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
8 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 Ar. C. SeligrnAnrr: Zum Prsachfrste M Gott, o Gott! Meiner Väter Gott! Um den mein Volk heißmutig gekämpft gegen trotzige Welten, fetzt winseln deine Meister hündisch hinter heidnischer Weisheit. Und spannen ihren stolzen großen Gottesglauben hinter die Schattenweisheit der Völker, um die Palme ihrer Weisheit buhlend. 3n die Irre geführt, genarrt mein Volk, betrogen um die Krone deiner Herrlichkeit! G über euren großen kleinen Gott, ihr klugen frommen Meister der Zeit! Das wär mir ein Gott, um den sich zu ereifern lohnte! Lin hilfloser, lahmer, armseliger, kläglicher Gott, ein Spott seiner selbst, ein Spinngewebe eurer Linbildung, ein Nichts, ein Wort, ein ausgeklügelter Begriff, Lin sehnsüchtiger Ton, der aus unserem warmen Kerzen in den kalten finstern Weltraum klingt. Was ist der Gott mir? was bin ich ihm? was frag ich nach ihm? Den Gott meiner Väter such ich, den lebendigen Gott, der die Fallenden stützet und die Kranken heilt, die Gefesselten befreit und die Seele erlöst der im Staube Schlummernden. Den Gott meiner Väter such ich, den heiligen, großen, lebendigen Gott, der die bekümmerten Kerzen getröstet und die müden Seelen gelabt und die Finsternis ihrer Nacht erhellt hat. Den Gott meiner Väter such ich, den Lwigen, zu dem meine Vergänglichkeit flüchtet aus des Lebens Grausen und Gede, Meines Daseins Grund, in dessen Tiefe meiner Seele Anker ruhen. Das ist meiner Väter Gott, der lebendige Gott, den meine Seele liebt. Nacht ists um mich, aber mein Auge durchbricht die Nacht; tausend Pforten öffnete mein sehendes Auge, und durch jede Pforte drängt sich die Herrlichkeit meines Gottes. Mein Gott und meiner Väter Gott! Die Himmel erzählen von deiner Größe, und das Weltall singt deinen Ruhm: Aus dem Sturmwind braust deine Stimme, aus der Sonne flammt dein Licht, aus dem Meere rauscht deine Allmacht, Aus dem silbernen Abendfrieden glänzt deine Majestät, aus der Harmonie der kreisenden Sterne funkelt deine Weisheit, aus dem rieselnden Regen quillt deine Gnade. Du lächelst aus der Mutter Antlitz, wenn sie den Säugling wiegt, du legtest uns in der Liebe Arm und gabst uns Mitfreude und Mitleiden zu Genossen auf den Lebensweg. Unser Leben ist dein Geschenk, unser heißbegehrtes Leben mit seiner unbegreiflich reichen Segenssülle, mit seiner heißen Glut und sprühenden Lust, Mit seinen sreudehellen Tagen und seinen Wundergaben ohne Zahl. Du hast die Wunderwelt des Geistes leuchtend in uns ausgebaut und läßt den Silberklang der Lwigkeit aus deiner Welt in unsere Welt herübertönen. — Und wenn finstere Wolken jagen über diese hellglänzende Welt, und wenn des Unglücks Fluten sich zerstörend wälzen über die blühende Lebenssülle,

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