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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 7 (1909) · p. Seite 167

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
7 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 167 (sequence 23)
Language
German
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Nnndschsu 167 lung das Judentum so zu gestalten versuchen, daß es die Gleichgültigere wiederzugewinnen und seinen Bekennern rechte Befriedigung ihres religiösen Fühlens zu schaffen vermöge. Zum Schluß richtete der Redner einen warmen Appell an die jüdischen Frauen, nicht nur in der Familie, sondern auch im öffentlichen Leben, in Verwaltungen und Vereinen, an der Seite der Männer an diesem Werke mitzuarbeiten. An der Diskussion beteiligten sich ferner Herr D r. Dtto D r i e s e n in Tharlottenburg, welcher in längerer Auseinandersetzung für zeitgemäße Entwicklung des Religionsunterrichts, Err'.'stung einer jüdischtheologischen Fakultät und ästhetische Ausgestaltung des Gottesdienstes eintrat, sowie die Herren Dr. Jacob sohn und Dr. med. Salomonski, von denen insbesondere der Letztere zu lebhafter Propaganda für die Vereinigung aufforderte. Alle Diskussionsredner fanden lebhaften Beifall, da aus allen Reden eine freudige Anteilnahme an der Fortentwicklung des Judentums und den Bestrebungen der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland herausklang. Weitere Versammlungen in den verschiedenen Stadtteilen Berlins werden demnächst stattfinden. NytmiK (D.-S.), im Februar \90ty. Nachdem schon im November vorigen Jahres eine stark besuchte Versammlung hier stattgefunden hatte, in welcher Dr. Goldmann-Oppeln über „Aufgaben und Ziele des liberalen Judentums" gesprochen hatte, veranstaltete die hiesige Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum am 7. Februar ihren zweiten Vortragsabend, zu dem der größte Teil der Gemeinde sich eingefunden hatte. Herr Dr. Dienemann-Ratibor behandelte in einftündiger Rede das Thema „Die religiösen Bewegungen des Jahrhunderts und parteienbildnngen im Judentum". Die fesselnden Schilderungen fanden lebhaftes Interesse und verschafften den Zuhörern einen seltenen Genuß. Nachstehend skizzieren wir kurz den bedeutsamen Vortrag, der es verdient, in weitesten Kreisen Beachtung zu finden. Redner knüpfte an die Wirksamkeit Moses Mendelssohns an, der den deutschen Juden das deutsche Kulturleben erschloß und beleuchtete die hiermit verbundenen Umwälzungen im Geistes- und Bildungsleben der deutschen Juden, wie die Jünger und Freunde Mendelssohns, mitten im Geiste des Aufklärungszeitalters stehend, glaubten, daß gerade die jüdische Religion nichts enthalte, was dem Aufklärungsideal zuwiderlaufe und demzufolge den Schritt zu einer reinen und natürlichen Religion machen müsse; und wie die logische Konsequenz dieser Ideen zur Taufe führen mußte. Der Geist dieser nachmendelssohnschen Periode wurde in Aussprüchen markanter Vertreter (Bendavid, Friedländer) treffend gekennzeichnet. In der zweiten Periode, eingeleitet durch die Gründung der Hamburger Tempelgemeinde, stehen die führenden Geister dem Judentum mit größerem Verständnis und mit wärmerer Liebe zu dem historisch Gewordenen gegenüber. Diese Zeit in ihren Hauptvertretern, über den Versuch der Rabbinerversammlungen hinaus bis zum Zustandekommen des „Austrittsgesetzes", brachte der Redner in anschaulichster Weise zur Darstellung, unter Zugrundelegung eines reichhaltigen geschichtlichen Materials. Die Schilderung der einzelnen Parteien gipfelte im Wesentlichen in Folgendem: Die neue Orthodoxie, begründet von Samson Raphael pirsch, ist die Vertreterin des starren Dogmas und betrachtet das ganze jüdische Schrifttum als sakrosankt. Sie steht auf dem Standpunkt, daß nur der als Jude zu betrachten sei, der auf dem Boden des Schulchan-Aruch stehe. Sie leugnet die Möglichkeit einer Entwicklung und bezeichnet ihre Angehörigen als „allein gesetzestreu" und demzufolge als die besseren, die wahren Juden. Sie macht aber immerhin — im Gegen-

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