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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 7 (1909) · p. Seite 166

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
7 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 166 (sequence 22)
Language
German
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166 Rundschau Rundfdiau. rr liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Kerlin, welcher zugleich die Berliner Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland bildet, ist mit Beginn dieses Jahres in eine energische Propaganda für die liberale Bewegung eingetreten. Zwei Versammlungen, die in letzter Zeit abgehalten wurden, waren sehr zahlreich besucht. Die erste Versammlung fand am H. Januar im großen Fürstenberg-Saal in der Rosenthalerstraße statt und wurde von dem stellvertretenden Vorsitzenden des Liberalen Vereins, Herrn p r o f e s s o r D r. B l a s ch k e, geleitet. Zn dieser Versammlung wurde die Neuwahl des Ausschusses vollzogen und von denr Schriftführer des Vereins, Herrn Benas Lev-s, in interessanten Ausführungen der Bericht über die Finanzlage und die Tätigkeit des Liberalen Vereins im verflossenen Jahre erstattet. — Die zweite Versammlung wurde am 8. Februar im großen Saale des Türkischen Zelts zu Tharlottenburg unter Vorsitz des Herrn Instizrat plonsker, des Vorsitzenden des Vereins, abgehalten. Besonders diese Versammlung bewies durch die Fülle der erschienenen Damen und Herren, wie lebhaft in den weitesten Kreisen das Interesse für die neu auflebende liberale Bewegung ist. Nicht nur die Teilnahme vieler Frauen, sondern auch das Erscheinen vieler jüngeren Leute berührte außerordentlich wohltuend. — In beiden Versammlungen sprach Herr N a b b i n e r D r. H o ch f e l d. In der ersten behandelte er das Thema: „Die Berechtigung des Fortschritts ini Judentum"; in der zweiten lautete sein Referat: „Warum sind wir liberal?" Der Redner legte in beiden Vorträgen aufs Reb erzeugend ste die Berechtigung des Liberalismus im Judentum dar, setzte klar und bestinnnt die Gründe auseinander, die uns bestimmen, liberal zu sein und betonte die Notwendigkeit, den liberalen Bestrebungen Förderung angedeihen zu lassen. Er bewies durch eine Menge von Belegen sowohl aus der Bibel als auch aus dem Talmud, daß die jüdische Religion von liberalen Gedanken getragen sei und sich stets und von Anfang an den Zeitverhältnissen entsprechend fortentwickelt habe. Aussprüche von Propheten, von rabbinischen Gelehrten und jüdischen Philosophen, die der Rednerzahlreich zitierte, erweckten und stärkten bei allen Anwesenden die Aeberzeugung von der belebenden Kraft der liberalen Idee inr Judentum. — Da der in allen seinen Teilen ausgezeichnete Vortrag in dieser Zeitschrift zum Abdruck gelangen wird, können wir an dieser Stelle auf eine genauere Angabe seines Inhalts verzichten. Die eingehenden, packenden und meisterhaft vorgetragenen Ausführungen fanden bei allen Anwesenden überaus großen Beifall. — Herr Iustizrat Breslauer, der Vorsitzende der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, dankte Herrn Dr. Hochfeld für seinen trefflichen Vortrag. Ihm und den anderen 56 Rabbinern Deutschlands, die für den Liberalismus im Judentum offen eingetreten sind, gebühre für ihr mutiges Beispiel die höchste Anerkennung. Der Redner legte die Aufgaben und Ziele der liberalen Vereinigung dar, die das Judentum wieder mit lebensvollem Inhalte erfüllen und zu einer Religion machen wolle, zu der jeder Jude sich mit Stolz werde bekennen müssen. Der Liberalismus erstrebe ein geläutertes Judentum. Er wolle nichts niederreißen, was im religiösen Bewußtsein des modernen Juden lebendig sei. Das Bestehende aber wolle er ausbauen und durch allmählige Fortentwick-

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