Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 7 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Rundschau o o o o satz zu. der alten Orthodoxie — der Kultur ihrer Umgebung schon Konzessionen (deutsche predigt ic.). Bewundernswert ist die Geschlossenheit und Einigkeit innerhalb der orthodoxen Gruppe. Die liberale Partei verficht dagegen das Prinzip der Entwicklungsfähigkeit und -Möglichkeit, nur, daß innerhalb der Richtung der Kampf um dieses Prinzip sich in verschiedenen Formen vollzog. Am markantesten unterscheiden sich die Gruppe um Abraham Geiger, die den Standpunkt vertritt, daß die Wissenschaft feststellen müsse, was an dem Bestand des Judentums ewig und was zeitlich sei und demzufolge in Wegfall kommen dürfe — und die um Zacharis Frankel, der einen vermittelnden Standpunkt einnimmt und dem jeweilig lebenden Volksgefühl in erster Reihe Rechnung trägt, denn Religion schafft das volksempfinden sich selbst. Redner kommt es wesentlich darauf an, unter der ungeheuren Summe von werten diejenigen zu unterstreichen und über die Schwelle des Bewußtseins zu heben, die in dem jeweilig lebenden Volksgefühl am meisten Widerhall finden. In diesem Prinzip scheinen dem Redner auch die Richtlinien zu liegen, die der Arbeit der neugeschaffenen liberalen Vereinigung vorgezeichnet sind, es heißt zunächst alle Liberalen zu sammeln und aus Indifferentismus zum Interesse am Religiösen zu bringen, es heißt, gefühlswarme Werte zu schaffen, denn nur solche erwecken religiöseBegeisterung. Air Liberale Vereinigung für das Judentum in Aeutfchland Ortsgruppe Hamburg hatte zu Mittwoch, 3. März Abends eine Versammlung einberufen, um weitere Kreise mit den Zielen und Zwecken der liberalen Vereinigung bekannt zu machen. Herr Dr. Tentler begrüßte die sehr zahlreich besuchte Versammlung mit einer kurzen Ansprache. Der Redner des Abends, der in Hamburg von seiner Wirksamkeit am hiesigen Tempel wohlbekannte Herr Dr. Seligmann, betonte zunächst, daß die Liberale Vereinigung nicht bezwecke, abzuschaffen oder gar einzureißen, sondern sie bezwecke mir aufzubauen und zu erhalten. Die Vereinigung sei gegründet niemand zum Trutz, sondern einzig und allein zum Schutze des Judentums. Ts komme ihr garnicht auf einzelne dogmatische und zeremonielle Fragen an, sondern einzig und allein auf die Erhaltung des Judentums in Deutschland. Man könne und dürfe es nicht mehr ruhig mit ansehen, wie in Deutschland immer mehr Hunderte und Aberhunderte vom Judentum abfallen oder sich teilnahmlos demselben gegenüber verhalten. Hier gelte es vorzubeugen und zu erhalten, und das wolle die Liberale Vereinigung für das Judentum. Ihr Ziel sei, die Gebildeten, die großen Massen, die Jugend mit neuer Liebe an das Judentum zu fesseln und so dem Judentum eine Zukunft zu schaffen. Die Ausführungen des Referenten wurden von den äußerst zahlreich versammelten mit großem Beifall ausgenommen. In der Debatte vertraten die Herren Möller-Altona, und Dr. Halpern den Standpunkt des Zionismus, indem sie erklärten, daß das Judentum nicht nur eine religiöse, sondern in erster Linie eine nationale Gemeinschaft darstelle. Herr Dr. Seligmann antwortete, daß die Werbekraft des Zionismus in der Betonung der Momente liege, die auch die Liberale Vereinigung auf ihre Fahne geschrieben: Kampf gegen Abfall, Stärkung jüdischen Selbstbewußtseins, neue aktive Ziele und Ideale. Möge der Zionismus seine Wege gehen und in seinem Kreise dem Judentum eine Zukunft schaffen. Die Liberale Vereinigung wende sich an Kreise, die von dem Zionismus nicht gewonnen werden können. Herr Dr. Sonderling schloß sich diesen Ausführungen an und beschäftigte sich noch eingehender mit dein Zionismus. Nach einem kurzen Schlußwort des Herrn Dr. Tentler wurde die imposante Versammlung geschlossen. Der neuen Ortsgruppe traten sofort über (00 Mitglieder bei. Herausgegebcn von der Vereinigung für bas liberale Judentum Berlin C 2, Heiligegeiststraße 52. Diir die Redaktion und den Vertag verantwortkch Dr. Ä. Geligmann, Arankfurt a. Al., Wiefenau 50. Druck und Ärpeöition von Voigt &> Gleiter, Jlrankfurt a. Al., Bibergaffe 6.