Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 7 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Rundschau 165 vollen, zu der Ueberzeugung führe, daß das Weltall das Werk eines Willens fei, nicht aber die Wissenschaft, die notwendig zur Auffindung letzter gegen Werte gleichgültiger, mechanischer Kräfte gelange und mit der Erkenntnis der Gesetze ihres Verhaltens sich begnüge. Allein muß das so sein? Muß jeder Naturforscher sich etwa wie Jäckel verhalten? Grade Gesetze setzen doch einen Gesetzgeber voraus, warum sollte nicht auch die Wissenschaft, ebenso wie die Religion (vgl. weiter S. 56) ein entsprechendes Postulat aufstellen, wie sie es ähnlich auch mit der Annahme von Atomen macht? Fraglich ist mir, ob der Verfasser S. 53 den Satz: „Und Gott sah alles, was er geschaffen hatte, und siehe es war sehr gut," wenn er darin das sittlich Gute findet, richtig auslegt. Nicht zuzustimmen vermag ich endlich der ganzen Erörterung des Verfassers über das Problem der Willensfreiheit. Er will die Herrschaft des Kausalgesetzes bestehen lassen (S. 69), aber die Freiheit doch aufrechterhalten, insofern der Mensch, wenn er gesündigt hat, wieder umkehren kann. (S. W f-) Dieses „kann" bedeutet aber Freiheit auch gegen das Kausalgesetz. Man gelangt ohne Selbsttäuschung zu keinem anderen Resultat, und ich muß hier nur wiederholen, was ich bereits in meinem „Prinzip der Ethik" S. 2^5 gesagt habe, es gelte, sich „mit der Erkenntnis zu bescheiden, daß wir es — bei der Freiheit — mit einem zwar in unserem Kalkül nicht aufgehen wollenden, aber doch unleugbaren und unweigerlich geforderten Tatbestände zu tun haben, genau so wie die Naturwissenschaft die Tatsache des Bewußtseins unerklärt, ja als unerklärbar hinnehmen muß." Aus vorstehenden Bemerkungen, die sich noch hätten vermehren lassen, wird man ersehen, daß wir es mit einer Schrift zu tun haben, die wohl vielfach zum Widerspruch auffordert, jedoch auch manches schöne positive leistet und jedenfalls sehr zum Nachdenken anregt. Es muß aber, wie ich schon eingangs angedeutet habe, überhaupt dankbar begrüßt werden, daß man allmählich aus dem Bann der ausschließlichen Reproduktion des Alten — t>as nicht einmal immer dem Wissen, geschweige denn dem Denken ein richtiges Genüge tut — herauszutreten wagt, und auch mit fruchtbarem produzieren den Anfang macht. Vielleicht ist es ein Anfang zu einer neuen Blütenepoche in der jüdischen Religionsphilosophie. Vielleicht dürfen wir darin ein Anzeichen erblicken, daß wir uns allmählich wieder Zeiten nähern, in denen selbstständige Geistesschöpfungen großen Stils, würdig derer der Ahnen, entstehen. Denn wie es ein Zeitalter der Epigonen gibt, das auf ein Geschlecht der Meister nachstrebend folgt, so sicherlich auch ein Geschlecht der Progonen — wenn mir diese Wortbildung gestattet ist —, das ein Geschlecht der Meister vorzubereiten die Bestimmung hat. Auch solchen Vorläufern gebührt um ihres Nutzens für die Zukunft willen unsere Anerkennung. Ar. M. Strrkelmachrr. Zur Besprechung eingegangen: Liberales Judentum, ein Essai von Tlaude G. Montefiore. Einzige autorisierte deutsche Uebersetzung von Gskar Plaut. — Leipzig, T. E. M. Pfeffer. $06. Dktav. 2$ Seiten. * DasZudentumam Scheidewege. Ein Wort zur Schicksalsfrage an die Starken und Edlen des jüdischen Volkes. Von Dr. Max Joseph, Rabbiner in Stolp i. pomm. Berlin, M. Poppelauer, $03. Oktav. $8 Seiten. -i- Ewige Weisheit. Spruchpoesie des Talmud und der rabbinischen Literatur nebst Fabeln, Parabeln und Sagen derselben, übersetzt von Max Weinberg, Halle a. S. Otto Hendel (Zn der Bibliothek der Gesamtliteratur Nr. 2096—2099)- Oktav.