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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 7 (1909) · p. Seite 164

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
7 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 164 (sequence 20)
Language
German
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SMriKreESBäu: 164 Küchrrschsu o o O 9 Kardinalvorzug der Götter (Gottesidee d. Gffenb. 5. 73 f.). Nach dem Verfasser ergibt sich aus der Ueberzeugung von der absoluten Herrschaft des Guten „die Lehre von der Ewigkeit Gottes" und der Satz: Gott ist ein Geist, denn das Moralische ist ein seelisches Phänomen. Bildet das Schöne das Wesen der Welt, dann ist Gott zwar gleichfalls ein ewiges Wesen, weil auch das Schöne als wesentlicher und dauernder Wert empfunden ist, aber er gilt dann für körperlich, da Schönheit ein Attribut körperlicher Erscheinung ist." S. 3H f. Allein werden diese Begriffe — Schönheit und Güte abstrakt gefaßt, so werden beide als geistige Potenzen vorgestellt — vgl. platos Ideen —; werden sie dagegen konkret betrachtet, und sie können zweifellos so betrachtet werden, da sie ja beide auch an wirklichen Menschen und Dingen zur Erscheinung kommen, so werden sie gleicherweise beide als Attribute des Körperlichen aufgefaßt werden dürfen. Daß das Judentum — darin einzig dastehend — Gott als reinen und heiligen Geist auffaßt, das rührt eben daher, daß es überhaupt allein eine richtige und echte G o t t e s Vorstellung erfaßt hat, während die heidnischen Völker, selbst das hellenische, unter den Göttern nur über die Menschenwelt weit hinausragende, gewissermaßen bevorzugte aristokratische Wesen verstanden haben, wie ich gleichfalls in meiner „Gottesidee rc." (S. 38 f. 63 f.) dargelegt habe. Für direkt irrig muß ich halten, wenn der Verfasser S. als Grund für den jüdischen Monotheismus und den heidnischen Polytheismus angibt: „Es kann nur ein einziges Gute, aber vielerlei Schönes geben, und die Wirklichkeit bietet das Bild unermeßlich mannigfaltigen Reichtums. Er ist die Ursache der Entstehung des Polytheismus." (S. P.) Aber die Wirklichkeit bietet tatsächlich auch das Bild des mannigfaltigsten Guten, wie der Gerechtigkeit, der Redlichkeit, der Wahrhaftigkeit, der pietät, der Selbstlosigkeit, der Tapferkeit, der opferfreudigen Hingebung u. s. w. und zwar an den allerverschiedensten Individuen in der verschiedensten Mischung und Erscheinungsart, genau so wie auch die Schönheit in der verschiedensten weise an den verschiedensten Trägern erscheint. Meinte der Verfasser aber die (platonische) Idee des Guten, die allerdings nur als eine aufgefaßt werden kann, so verhält es sich doch unstreitig gleichermaßen mit der Idee des Schönen. Dazu kommt, daß der Verfasser neben dem Guten auch das Schöne für das Judentum mehrfach in Anspruch nimmt. So z. B. S. 2%: „In der Religion der Propheten aber, die mit Mose beginnt, kommt zur andachtsvollen Empfindung des Schönen, zur religiösen Naturbetrachtung die Verehrung des Guten als des höheren und herrschenden wertes hinzu." Ebenso S. 35. Bei der Auffassung des Verfassers vom Ursprung der Gottesvorstellung wäre es zu erwarten gewesen, daß sich im Judentum wenigstens ein Ditheismus, der Begriff eines höheren Gottes des Guten und eines Nachgeordneten des Schönen herausgebildet hätte. Ich würde aber über-, Haupt bezüglich des Judentums nicht das Schöne, sondern das Erhabene betont haben, was denn auch der Verfasser mehrfach tut, z. B. S. 8/9- Das Sittlichgute und das Erhabene sind ja auch innig mit einander verwandt, wie schon Kant hervorgehoben hat. Der Verfasser scheint mir hier Verschiedenartiges mit einander konfundiert zu haben, wie denn die Darstellung auch sonst zuweilen die erwünschte volle Klarheit und Geschlossenheit vermissen läßt. So ist mir auch unklar geblieben, wie der Verfasser S. (5 behaupten kann, daß sämtliche Religionen in ihrem Wesen übereinstimmen, da er doch später mit Recht (vgl. namentlich S. 240 feststellt: „In der Bibel wird zum ersten Male die Lehre von dem heiligen Gott ausgesprochen, dessen Wille das Weltall regiert. Gehorcht aber die Natur einem sittlichen willen, dann schwindet die Furcht vor ihr ro." Ich sollte meinen, daß dies eine ganz gewaltige Wesensverschiedenheit bedeutet. Nicht ohne weiteres unterschreiben möchte ich auch den Satz S. : „So wird es verständlich, daß in einem Menschen, dessen herrschendes Interesse das ästhetische ist, in Künstlernaturen, wie Goethe, die Hinneigung zum Pantheismus hervortritt." Man denke doch an den Vater des neueren Pantheismus, Spinoza! Nicht ganz einleuchten will mir ferner die Behauptung (S. 50 f.), wonach wohl die Religion, als ausgehend vom Wert-

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