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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 7 (1909) · p. Seite 161

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
7 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 161 (sequence 17)
Language
German
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I. Fsewenberg: Iudrnkirchhof in der Heide 161 ist des Rindes Wunderwelt gegen das Wunderwerk, das dort oben im unendlichen Weltenraum in unendlichen Zeiten sich abspielt! „Line Wunderwelt ist unter uns, eine größere aber über uns!" „Doch die größte in uns," setzte der Andere hinzu, und sein Gesicht strahlte von Weihe, wie das des Hohenpriesters einst am versöhnungstag. „wie klein ist der Mensch und doch wieder wie unendlich groß, vier Bretter und drei Fuß Erde genügen für ihn, wenn sein Leben abgeschlossen; mit seinem Fühlen und Denken aber will er Ewigkeit und Unendlichkeit begreifen. weit trägt ihn sein wissen, unendlich weiter sein Träumen und Sehnen. Lin Sonnenstäubchen nur ist der Mensch, losgelöst vom unendlichen Sonnenball des Lebens, aber die Urkraft will er erfassen, die hinter allem Leben wirkt. Mit seiner Seele Rraft will er den ewigen Gott sich herabziehen, der allein die Lösung aller Rätsel kennt, die unter uns, über uns, ins uns sind." heimwärts schritten Beide. Unter der Lrde fühlten sie die kommende Zeit, oben sahen sie Ewigkeit und Unendlichkeit: Sie aber schritten über die Lrde wie priefter durch den Tempel ihres Gottes, dessen Stimme sie im Wunder gehört. IuäenKirckKof in äer Heide. Wachholdersträuche stehn im Heidegrund, £}ier groß, dort klein, hier dichtgedrängt zum Bund, Und da allein, vermummt in Trauertracht, Als ob sie einen Lieben hergebracht Und dächten stumm nun sein, der ausgelitten. Und eine Birke leuchtet in der Mitten. So still, so ruhvoll friedsam ist es dort, Der Zudenkirchhof, heißt beim Volk der Ort. — Novembersturm, die Flügel weit gespannt. Fährt pfeifend, kreischend durch das Heideland. Die weißen Flocken, seine Federn, fliegen, Daß Busch und Baum sich zitternd vor ihm biegen. Ls stöhnt und ächzt und pocht in wilden Schlägen, Als ob da Tausende im Sterben lägen. — Der Heidjer kreuzt sich: „Heilige Marie, Dir, Mutter Gottes, beug ich fromm das Knie, Du weißt, die pest geht durch das deutsche Land, Halt sie uns fern mit deiner starken Hand." Da klopft es an die Türe: „Helft, kommt mit, Mein Weib, mein Rind, o helft, nur hundert Schritt — Wir haben auf der Heide uns verirrt" — Lin Schein vom Spanlicht um sein Antlitz flirrt. Der Heidjer sieht die angstverzerrten Züge Und prallt zurück: „verfluchter Jude, Lüge!

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