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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 7 (1909) · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
7 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 Instizrat Ar. Stau: Air Taufe einst und jetzt Selbstverständlich ist aber hier nur die Rede von solchen Getauften, bei denen eine innere Abkehr vom Judentum nicht vorliegt; die dem Christentum, zu dem sie übergegangen sind, nicht näher stehen, als dem Judentum, das sie verlassen; denen es nicht einsallen würde, sich taufen zu lassen, wenn der Vorteil, den sie mit der Taufe einhandeln, ihnen auch ohne sie zufallen würde, deren Inneres von dem Sakrament der Taufe nicht im geringsten berührt wird; die ihre Gesinnung, den jüdischen Geist im guten wie im bösen Sinne, gar nicht ändern wollen; die ihren früheren Glaubens- und Leidensgenossen, um ihnen den verrat weniger häßlich erscheinen zu lassen, so oft sie es hören wollen, vorerzahlen, sie seien im Kerzen Juden geblieben und sie würden — man weiß nicht, soll man hierzu lachen oder weinen — niemals Antisemiten werden. Nur auf den wahren Grund der Taufe kommt es an, nicht auf den ausgeklügelten, mit welchem diese Ueberläufer die Taufe rechtfertigen, und hörte er sich noch so gleißnerisch an, wie z. B. der eines bis vor kurzer Zeit in hoher Richterstellung befindlich gewesenen Neuchristen, der bis zu seinem Uebertritt in der Verwaltung einer jüdischen Großgemeinde saß und der mit seinem Uebertritt dem liberalen Protestantismus Anhänger schaffen wollte, dem Protestantismus, welcher nach seiner Ansicht an der Auflösung des Christlichen im Christentum arbeitet. Oder der jenes ehemaligen Bibliothekars der jüdischen Gemeinde zu Berlin, der das Judentum um deswillen für todeswürdig erklärte, weil es lediglich die Herrschaft der Ethik in der Welt inauguriert habe und jegliche Aesthetik bekämpfe. Oder der Grund, den so manche anführen, daß auch eine notwendig erscheinende Stärkung des deutschen Naüonalgefühls in unserer Zeit es verlange, das Zudentum als dem deutschen Nationalgefühl hinderlich aufzugeben und der durch Tausende von deutschen Juden Lügen gestraft wird, die die besten Deutschen, aber zugleich die besten Juden waren und noch sind. Und sagt einer gar — und man kann dies oft hören —, daß er das Zudentum, in dem er geboren, um so leichter aufgeben könne, da er es ja garnicht kenne, weniger jedenfalls als das Christentum, so ist es wahrlich nicht schwer, hierauf die richtige Entgegnung zu finden, daß ein jeder Jude die Verpflichtung habe, das Judentum kennen zu lernen, mindestens ehe er es gegen etwas anderes aufgibt. Wie jeder Kämpfer um eine Idee im Kampfe immer mehr und mehr von der Wahrheit und Bedeutung der Idee erfüllt wird, so wird uns Juden im Kampfe immer mehr und mehr zur Gewißheit, daß das Judentum der Welt erhalten werden muß. Das Judentum hat der Welt den Glauben an die Kraft des willens des Menschen, den Glauben an die Vervollkommnung des Menschen, an den endlichen Sieg der Wahrheit und Gerechtigkeit gegeben. Das Zudentum ist die Religion des Optimismus, der den Weg der Entwickelung nach aufwärts zeigt. Der Optimismus hat das Judentum, hat die Iudenheit erhalten. Wir Zuden sind als Lehrer des Optimismus in der Welt eingesetzt und haben diese unsere Rolle noch nicht ausgesxielt. Die Tugenden, die der Optimismus in die Seelen eingepflanzt, müssen zum beeile der Welt in ihr erhalten und immer weiter verpflanzt werden, um desto wirksamer gegen den Pessimismus anzukämpfen. Der jüdische Gottesbegriff ist nichts anderes als ethischer Optimismus; man schalteihn nur für kurze Zeit aus der Welt aus, und die Welt wird rückwärts schreiten. Mindestens hat er uns Zuden durch die Nacht der Verfolgungen hindurch erhalten, und wir dürfen ihn nicht aufgeben und ihn nicht trüben lassen. Und wenn die Zudenheit das Judentum nicht bewahrt, so wird seine

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