Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 7 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Justrzrst Ar. Mau: Air Taufe ernst und jetzt 155 verschiedensten Fronten gerichteten Kampfe begriffen, in dem jeder einzelne Jude auf dem f)lan erscheinen und seinen Mann stellen muß, soll unser Kampf um die tatsächliche Gleichberechtigung zum Segen der Juden und des Vaterlandes mit einem Siege enden. Wenn damals ein Jude sich durch die Taufe der Gemeinschaft entzog, so war das mehr ein numerischer Verlust der Gemeinschaft, der nicht mehr wog, als ein durch Tod eines Gliedes der Gemeinschaft zugestoßener Verlust. Die Familie des Getauften trauerte um ihn, wie um einen Toten; für die Gemeinschaft war der Schaden, auch wenn der Täufling auf einer höheren sozialen Stufe sich befand, nicht gerade folgenschwer. Die Lücke wurde nicht sonderlich empfunden, jedenfalls schnell verschmerzt, zumal eine vollständige Abkehr des Getauften von seinen früheren Glaubensgenossen stattfand. bleute, wo die Iudenheit sich geradezu im Kriegszustand befindet, ist die Taufe ein Verrat an Stamm, Religion und Freiheit, vor allen Dingen wirkt sie, wie jeder verrat, ansteckend auf die Lauen, die nach dem Genuß der vorenthaltenen Güter Lüsternen, um so ansteckender, je leichter von seiten einer von ihrem christlichen Gewissen nicht sonderlich arg bedrückten Geistlichkeit der Uebertritt gemacht wird. Geradezu zur Taufe anreizend aber muß es wirken, wenn der verrat von den Kämpfenden selber als solcher scheinbar garnicht empfunden, wenn diese in einer unbegreiflichen Schwachherzigkeit ihn: nicht diejenige Strafe zu teil werden lassen, die er verdient, nämlich die Verachtung, die ausgesprochenste Verachtung, von uns, dem Judaismus militans, wenn der Getaufte nicht nur ferner des Verkehrs gewürdigt wird, sondern wenn die besten jüdischen Familien sich sogar nicht scheuen, mit ihm in connubium zu treten. Daß ein solches Verhalten unsererseits mit der Selbstachtung, die die Voraussetzung aller wahren Ehre des Einzelnen wie einer Gemeinschaft ist, schwer verträglich ist, beweist am besten das Urteil, das unbefangene Nichtjuden für eine solche Schwächlichkeit auf seiten der kämpfenden Juden haben. Ich persönlich habe solche Leute, die eine — sagen wir gelinde — Mißemxfindung gegen den Neuchristen nicht los werden konnten, sobald sie sahen, daß die früheren Glaubensgenossen des Getauften diesen nach wie vor für voll ansehen, schon sagen hören: „Ja, wenn Ihr dem Mann nicht die verdiente Verachtung zu teil werden lasset, wie wir es im gleichen Falle tun würden, wenn Ihr ihn von Eurem verkehr nicht ausausschließt: warum sollten wir es tun?" Es ist niemals zu spät und darf vor allen Dingen niemals zu spät sein, solchem verrat nicht blos mit tadelnden Worten, sondern durch entschlossenes handeln zu begegnen. Gar mancher Taufliebhaber würde, wenn er sicher wüßte, daß er durch die Taufe seine jüdischen Freunde verlöre, wenn er gewiß wäre, daß er sich durch die Taufe sozusagen zwischen zwei Stühle setzte, vor ihr zurückschrecken. Mit aller Entschiedenheit aber möchte ich diejenigen Juden, die eingedenk dessen, was sie der Ehre der Gemeinschaft schuldig sind, mit Verrätern an der Ehre der Gemeinschaft brechen, dagegen verwahren, daß ihre Absage als ein Ausfluß von Fanatismus erklärt wird, wenn man die Wahrung der Ehre wirklich Fanatismus sollte nennen dürfen, dann wollen wir uns ruhig lieber Fanatiker nennen lassen, als nicht unsere ganze Pflicht zu tun, um dem verräterischen Treiben Einhalt zu tun, Und zu dieser Pflichterfüllung rechnen wir es auch — wir stehen nicht an, dies in der breitesten Oeffentlichkeit und mit der größten Deutlichkeit zu erklären —, die regierenden Kreise immer und immer wieder darauf hinzuweisen, wie wenig gerecht, ja wie wenig moralisch es ist, Leuten, die das Kainszeichen des Verrates mit sich herumtragen müssen, den Verrat zu belohnen.