Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 6 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Ar. Norden: Noch einmal die Saddotfrogr In! appeal for the sanctification of the Jewish Sabbath. Those who cannot sanctify the whole of every Sabbath might at least take every opportunity in their power to show, that they regard it as the Jewish day of rest and holiness. Sunday-rest is not the sanctification of the Sabbath. — XDo steckt da der liberale Fortschritt, den wir anstreben? U. A. w. g. * Die mit ihren Forderungen am weitesten gehende Zuschrift stammt aus der Feder des früheren Mitglieds des preußischen Abgeordnetenhauses Herrn Otto Münsterberg. Derselbe schreibt mir: Danzig, 29- November 1.908. Sehr geehrter Herr Rabbiner. Verzeihen Sie, wenn ich als Unbekannter mir erlaube, Ihnen ein Wort auf Ihren Artikel zu erwidern, den Sie unter dem Titel „Tin Mort zur Sabbatfrage" in der Zeitschrift für das liberale Judentum veröffentlicht haben. Mir, als Laien, scheint in Ihren Ausführungen ziemlich die wertvollste Anregung enthalten zu sein, die ich bisher in diesem Blatte gefunden habe. Vielleicht werden Sie mich nicht für berechtigt halten, auf diese Frage einzugehen, wenn ich sagen muß, daß ich zwar Jude bin, aber seit nahezu dreißig Jahren mich jeder tatsächlichen Beziehung zum Gottesdienst enthalten habe. Ich vermochte nicht, an einem Gottesdienste Befriedigung zu finden, der, auch in der modernen Form, unserem modernen Empfinden so wenig entspricht. Bei keinem christlichen Gottesdienst wird das - neue Testament griechisch, das alte hebräisch zitiert, obgleich vielleicht unter den gebildeten Hörern mehr Leute sein mögen, die griechisch verstehen, als unter den gebildeten Juden solche, die den zahllosen hebräischen Zitaten und hebräischen Gebeten zu folgen vermögen. Wir sind Deutsche. Tin Gottesdienst, der zu unserem Gemüte sprechen soll, muß durchweg und ausschließlich in unserer Muttersprache abgehalten werden. Der Geist einer Religion hat mit ihrer ursprünglich sprachlichen Trscheinungsform blutwenig zu tun. Durch unsere Muttersprache soll gerade der Geist lebendig gemacht werden. Tr soll jüdische Deutsche erziehen, wie die christliche Religion christliche Deutsche erzieht. Das Deutschtum soll die Einheit bilden. Trotz meiner Nichtbeteiligung am Gottesdienst bin ich Jude geblieben, und ich habe die Regungen modernen jüdischen Strebens mit Aufmerksamkeit verfolgt. Weil ich glaubte, in dem neuen Vereine wirklich rückhaltlos modernes, unserer Zeit angepaßtes Vorwärtsgehen zu finden, habe ich mich ihm als Mitglied angeschlossen. Was aber habe ich bis jetzt gefunden? Vornehme, edle, patriotische und religiöse Gedanken, aber nichts weiter. Nein Anzeichen, wie der Satz des Programms erfüllt werden soll: „Den ewigen Gehalt und die unveränderlichen Grundlagen der jüdischen Religion in Erscheinungsformen zum Ausdruck zu bringen, die unserer Zeit angemessen sind." Die ersten bestimmt programmatischen Aeußerungen, die ich in der Zeitschrift gefunden habe, sind die Ihrigen. Wird Ihre Idee folgerichtig verfolgt, so kann daraus etwas wirklich Neues und Gutes geschaffen werden. Dann soll man aber auch den Mut haben, konsequent so weit zu gehen, daß Ihr Gedanke, dem Sabbat neues Leben zu verschaffen, in einer Form ausgestaltet wird, die „unserer Zeit angemessen ist". Unsere Zeit ist tief bewegt von der Neubelebung religiösen Empfindens und Denkens. In allen Konfessionen regt es sich. Und wie auf der einen Seite strengste Orthodoxie nun erst recht sich sammelt, streben die