Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 5 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Brate Mann: Nie vier Serien vor dev Hinrmrispforte 115 Geboten. Gibt es Verzeihung dafür, daß mir die Liebe das Wertvollste auf der Welt war?" Da lächelte der Prophet Elia milde, und er wandte sich zur zweiten Seele: „Sag' an, was war Dir das Wertvollste auf der Welt, wofür Du gelebt hast und gestrebt?" Da Hub die Seele an: „Geeifert habe ich für den Ewigen der Heerscharen bis zu meinem letzten Atemzuge. Rein Gebot unserer heiligen Schrift und unserer Weisen war mir zu gering, als daß ich nicht nach seiner Erfüllung getrachtet hätte. Reinen Rampf habe ich gescheut, meine heilige Zornesglut habe ich ausgegossen über alle, die nicht lebten nach göttlichem Gesetz. Nicht meine Rinder hätte ich mehr gekannt, nicht meine Freunde mehr geliebt, wie unheiliges Feuer hätte ich sie ausgelöscht, wenn sie abgewichen wären auch nur von dem geringsten der heiligen Gebräuche. Wahrlich gerechtet habe ich für Gott all' meine Lebtage, er ist zuverlässig für seine Frommen und wird mir meinen Lohn nicht vorenthalten." Da wandte sich der Prophet Elia zu der dritten Seele: „Und wofür hast Du gelebt und gestrebt?" Und also sprach zu der zweiten Seele gewandt die dritte Seele: „GH Du verfinsterte, menschenfeindliche Seele, die Du Dich eingesponnen wie eine Raupe in die starren Formen Deiner düsteren Religion, mir gab sie nichts die Religion meiner Väter, nichts als den Saß und die Zurücksetzung, die ich um ihrer willen tragen mußte. Sollte ich mich verachten und treten lassen um eines Glaubens willen, den ich nicht teilte? Sollte ich meinen Rindern das Fortkommen unnütz erschweren und mich und sie ewig einsxannen in das unerträgliche Joch der Vergangenheit? Ist Gott nicht auch der Christen Gott? Ist unser Staat nicht ein christlicher Staat? Da ging ich fyrt und nahm die Religion des Staates an, in dem ich lebte, und ich denke. daß ich als Christ ebenso gut ein Anrecht auf den Simmel habe, wie als Jude." Da rief die vierte Seele: „Wehe, daß wir mit Dir, Du abtrünnige Seele, Hinansteigen sollen zu Gott! Du hast Deine Brüder verlassen und Deine Väter und Mütter verraten. Die Bande des Blutes hast Du zerrissen, und Ehre, Treue und Gewissen hast Du mit Füßen getreten. Mit einer Lüge hast Du Dein Fortkommen auf Erden Dir erkauft. Wenn der jüdische Glaube, wie Du sagtest, Dir nichts mehr war — hast Du die christliche Wahrheit glaubwürdiger gefunden, die Du vor dem Altar beschworen? — Was sprichst Du von starren Formen eines düsteren Glaubens? Wer bürdete Dir Formen auf, die Du nicht halten wolltest? Wer forderte von Dir einen Glauben, den Du nicht glauben konntest? Du konntest als Jude leben, frei und treu, Du konntest von der Religion Deiner Väter Dir bewahren, was schön und wahr und segensvoll, daß sie Dein und Deiner Rinder Glück werden konnte. Siehe auch ich habe gekämpft und gerungen um die Wahrheit meines Glaubens. Ich sah, daß die Religion, die ich mehr liebte, als mein Leben, einen Todeskampf kämpfte um den Besitz der besten ihrer Rinder. Sie wollten nicht mehr im Paradiese des alten Rinderglaubens wandeln mit geschlossenen Augen, sie rissen sich die Binde ab und fragten und forschten, und sie gingen in alle Weiten, und sie sahen nicht, wie felsenstark und unerschütterlich der alte Glaubensgrund und erkannten nicht den Goldesschimmer unter den dichten Süllen, in die finstere Jahrhunderte den alten Glauben gehüllt. Da habe ich gerungen um die Wahrheit und die Schönheit meines Glaubens, und eine Rrone von perlen flocht ich der Religion um's blütenjunge Sauxt, und siehe, die Menschen kamen, voran die Rinder, lang-