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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 5 (1909) · p. Seite 112

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
5 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 112 (sequence 16)
Language
German
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112 Hermanre Metzger: Jüdische Frauenbewegung lens und Strebens; schon der grundlegende j Wahrheitsgehalt des Judentums ist ja ein historischer, er ist unveränderlich als derselbe übernommen und wird es immer bleiben. Aber wir wünschen nicht, daß neben ihm das historische in seiner Ueb erfülle zu einem Hemmnis statt zu einer Förderung des Lebens werde; wir wünschen nicht, daß durch das Ueberwuchern der Vergangenheit die persönliche und sozial gewandte Frömmigkeit Schaden leiden, die beide in der Gegenwart wurzeln, im flutenden Leben ringsum, an dem jeder Jude als Individuum sowohl wie als Glied sozialer Gesamtheiten Anteil nehmen muß und soll. Gin solcher Ausgleich fordert nun, wie in jeder religiösen Vereinigung, so auch in der unsrigen eine Umwertung praktischer Formen und theoretischer Formeln. Aber weit mehr als andere Konfessionen sind wir Juden in der glücklichen Lage, dartun zu können, daß solche Umwertung religiösen Besitzes nur inAeußerli.chkeiten mit der Vergangenheit brechen muß, im inneren Wesen dessen, was sie erstrebt, jedoch zurückgreifen kann auf Ideale, die erleuchtete Geister schon in früheren Zeiten bis zurück in die Urzeit unseres Volkes erkannt und aufgestellt haben. Dies gilt auch für die Umwertung des Begriffs der Frömmigkeit, die sich immer stärker innerhalb des Judentums in d e m Sinne vollzieht und vollziehen muß, daß sie im h i st o - | j rischen Rahmen des jüdischen Kultus der persönlicher: Frömmigkeit eine weit größere Freiheit, der sozial gewandten eine weit anerkennendere ersatzgültige Berechtigung einzuräumen haben wird. Dadurch wird sie aber von ihrem Ziel nicht abkommen, vielmehr sich immer stärker demjenigen annähern, das Propheten, Weise und Denker in den heiligen Schriften und verehrungswürdigen Werken unserer Vergangenheit als das richtige bereits aufgewiesen haben. Für unsere liberalen Anschauungen ist damit die gültige Richtschnur gegeben. Fromm dünke uns nicht bloß derjenige, der pietätvoll sein religiöses Leben ohne jede Kritik nach historischen äußeren Formen einrichtet und in ihrer Uebnng seine völlige Befriedigung findet, sondern mehr noch derjenige, der stets bereit ist, aus dem ihn um - flutendenBerufsleben heraus sich mit persönlicher Religiosität und sozial gewandter religiöser Anteilnahmein den Dienst des Judentumszustellen,derunablässignach i m m e r t i e f e r e r, reiner Erkenntnis desGöttlichen strebtund ohneKlügeleien schlicht und einfach als Rkensch und Jude seinen Weg geht. Solcher Rlänner und Frauen möchte es unter dem Banner des liberalen Judentums recht I viele geben! lüdifdie Frauenbewegung. €ine Hnregung, gegeben von Hermance Uletzger-£andau (Pfalz). ine mächtige Bewegung, welcher — der Neuzeit und den veränderten Verhältnissen Rechnung tragend — in begrüßenswerter Weise von den Kanzeln herab das Wort geredet wird, hat einen großen Teil der deutschen Iudenheit ergriffen und wird Dank der zielbewußte:: und sieghaften Gedanken, die ihr zu Grunde liegen, die, welche es angeht, mitreißen und sich untertänig machen. — Gin neues Geschlecht wird erstehen, und bei unserer Raschlebigkeit wird es unsere Gnkel wie ein Rtärchen anmuten, wenn Groß-

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