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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 5 (1909) · p. Seite 106

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
5 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 Ar. Ma.X Frrudrnlhal: Frömmigkeit um Bücher aufregt, statt um das Leben, das feine ganze Lebensenergie Fragen zuwendet, die keinerlei Beziehung mehr haben zu den Forderungen, die das große Kulturleben der Menschheit stellt, sondern die einzig aus Buchseiten lebendig sind, die der eine verstorbene Gelehrte über das Buch eines anderen verstorbenen Gelehrten einst geschrieben hat, dieses mittelalterliche Lheder-Leben bedeutet die Stagnation, die Mumifizierung des religiösen Judentums. Ihm gegenüber kommt es daraus an, neue Gesichtspunkte, Ideen, positive Ziele, Werte im Judentum und Iudesein auszuweisen. — Denn der Abfall des Juden von seiner Väterreligion ist daraus zu erklären, daß im religiösen Leben der Juden kein frischer belebender Geist mehr pulsiert, daß vielmehr schon der junge Jude vor die Mahl zwischen äußerlich werdender Ritualreligion oder uferlosem Synkretismus gestellt ist. — Dann flüchten die festesten, treuesten, männlichsten Gemüter tiefer in Geschichte und Vergangenheit hinein, die zweifelnden, schwankenden und beweglichsten aber ergreift Skeptik und Pessimismus; sie beginnen ihr eigenstes Existenzrecht, ihr Anrecht auf sich selbst in Frage zu stellen und von allen Seiten resorbiert zu werden. — Dem gegenüber muß ein neues Streben sein, vereinigende Ideen im Judentum zu erwecken. In der Gegenwart ist das religiöse, religions - philosophische Judentum im Rückstand, teils durch die veraltete und rückständige Erziehung der Rabbiner-Seminare, teils durch die infolge einer falschen Erziehung der Jugend verschuldete Gleichgültigkeit und Unwissenheit der als Juden geborenen Männer und Frauen. — Lsier muß der Hebel angesetzt werden, wenn es besser werden soll. Wenn es dem jüdischen Liberalismus gelingt, ein neues Geschlecht von Rabbinern zu erziehen, die die geistige Fühlung mit der lebendigen jüdischen Volksseele nicht verlieren, die durch ernste wissenschaftliche Arbeit den positiven geistigen Inhalt des Judentums neuerdings wieder klarstellen und zum Bewußtsein bringen, wenn dem Judentum Lehrer erstehen, die die Jugend für das Judentum als höchste ethische Kulturmacht zu begeistern imstande sind, dann wollen wir die neue liberale Bewegung preisen als Schöpferin jüdischer Zukunft. Frömmigkeit. Von vr. Max sreuäentkal-Nürnberg. t'tA ie zu allen Zeiten, hat auch kürzlich wieder die starre Autoritätsrichtung im Judentum allen denen, die nicht willenlose Bekenner traditioneller Festsetzungen sein wollen, ohne Rücksicht auf deren Motive einfach das Recht der Zugehörigkeit zum Bunde Israels abgesprochen. Mit so großer Emphase auch dieses Interdikt ausgesprochen worden ist, es wird immer ein theoretisches bleiben, nicht bloß weil die Macht dazu fehlt, ihm praktische Folgen zu geben, sondern vor allem darum, weil es stets an dem gesunden und verständigen Sinn der Bekenner des Judentums scheitern wird. Die Geschichte der Vergangenheit hat uns das Beispiel eines R. Elieser überliefert, der, in den Bann getan, weil er seine mildere Auffassung des Gesetzes der strengeren des Sanhedrin nicht unterordnen wollte, von dem Volke erst recht geehrt und geachtet wurde. In der Gegenwart aber muß die Behauptung geradezu als wahnwitzig erscheinen, daß Männer, die öffentlich das Bekenntnis ihrer Treue und Anhänglichkeit zum

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