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Liberales Judentum · 1908-01-01 · 4 (1908) · p. Seite 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
4 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 91 (sequence 19)
Language
German
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o o 0 0 Ar. Reich: Ans dem Breslauer Gemeindennd Gemeinde-Aerrinsleben 91 Unsere Hauptaufmerksamkeit richteten wir aber darauf, der Teilnahmlosigkeit weiter Rreise gegenüber dem religiösen Leben entgegenzutreten. Gerade dieser Indifferentismus hat den Verfechtern des Rückschritts den Boden geebnet, Wir wollten daher die wesentlichen Formen unseres Glaubens Hochhalten, dabei aber auf allen Gebieten des religiösen Lebens, im Rultus, wie im Unterricht, wie in den Wohlfahrtseinrichtungen die liberalen Wünsche nachdrücklich zur Geltung bringen und so unseren religiösen Einrichtungen eine dem Zeitbewußtsein entsprechende Weiterbildung sichern. Die erste Aufgabe, die wir in Angriff nahmen, bezog sich auf die Sorge für die religiöse Erziehung unserer Jugend. Der Umstand, daß infolge der Initiative des Gemeindevorstands, einer immer größeren Anzahl unserer Jugend ein geordneter Religionsunterricht gesichert und noch mehr in Aussicht gestellt ist, machte die Frage nach geeigneten Lehrkräften zu einer brennenden. Es machte sich nicht bloß ein numerischer Wangel an Lehrkräften geltend, sondern noch viel mehr an solchen, an die den höchsten Maßstab zu legen wir sowohl berechtigt, als verpflichtet sind. Es lag nahe, unser Augenmerk auf das hiesige altbewährte Rabbinerseminar zu richten, in dem ja alle Bedingungen gegeben sind, in ausgezeichneter Weise für die Ausbildung von Religionslehrern Vorsorge zu treffen. Hier eine Lehrabteilung zu schaffen, in der junge Männer zu Religionslehrern ausgebildet werden, wo aber auch weibliche Lehrkräfte für den Religionsunterricht in den Töchterschulen vorbereitet werden könnten, das erschien uns als die glücklichste Lösung der Aufgabe, die wir uns gestellt. Wir setzten uns mit den maßgebenden und sachverständigsten Männern unserer Gemeinde, mit den Rabbinern Herren Dr. Guttmann, Rosenthal, mit dem Vertreter des Rabbinerseminars Herrn Dr. Braun, mit Herrn Professor Badt und dem Vertreter des Gemeindevorstandes, Herrn Landgerichtsrat Wollstein in Verbindung. Nach eingehenden Beratungen mit ihnen, nach ihrer Zustimmung und der Zusage ihrer bereitwilligen Unterstützung wandten wir uns mit einer neuen eingehenden Petition an den Gemeindevorstand; sowohl bei diesem, wie beim Seminar und der ihm Vorgesetzten Behörde fand diese Petition eine wohlwollende Aufnahme. Es war auf allen Seiten der beste Wille vorhanden, unserem Wunsche entgegenzukommen, Unterrichtskurse ins Leben zu rufen zur unentgeltlichen Ausbildung von Religionslehrern und Religionslehrerinnen. Wiederholte Aufforderungen in den Zeitungen, sich zu melden, hatten aber nicht den geringsten Erfolg; die Zahl der Meldungen war zu gering, als daß sich die Errichtung eines Lehrkursus gelohnt hätte. Indessen geben wir nicht die Hoffnung auf, daß bei dem gegenwärtig immer stärker werdenden Bedarf an männlichen und weiblichen Religionslehrern unsere Bestrebungen verwirklicht werden. Während wir mit dem Eintreten für geordneten Religionsunterricht die Jugend heranziehen wollten zu glaubenstreuen und charakterfesten Anhängern des Judentums, zielte die nächste Aufgabe, der wir uns nunmehr widmeten, darauf hin, allen unseren Glaubensgenossen durch würdige Ausgestaltung des Gottesdienstes den Besuch des Gotteshauses lieb und wert erscheinen zu lassen und sie so an unsere Glaubensgemeinschaft inniger zu fesseln. Wir wollten an maßgebender Stelle ein- Lreten für Ausbildung junger Glaubensgenossen deutscher Abstammung zu tüchtigen, gebildeten und ihre Stellung auch in sozialer Beziehung ausfüllenden Rantoren. Wir stellten bei dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund den Antrag, daß im Anschlüsse an die in Deutschland bestehenden Lehrerseminare

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