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Liberales Judentum · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 71 (sequence 23)
Language
German
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71 Nunschsk lung statt, zu welcher eingeführte Freunde und Gesinnungsgenossen Zutritt hatten. Es sollte durch diesen intimen Charakter der Versammlung die friedliche Tendenz der Vereinigung, die nur in ihren Kreisen wirken und Kampf und polemische Debatten vermeiden will, zu Tage treten. — Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden Dr. Arnold B a e r w a l d mit einem geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung der Vereinigung eröffnet. Ziel der Vereinigung sei, die modernen Juden dem Judentum zu erhalten. — Das eigentliche Referat über „Die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" hielt Dr. C. Seligmann. Das Judentum sei eine historische Erscheinung und dürfe darum von seiner Geschichte nicht losgelöst werden. Das liberale Judentum wolle nicht eigentlich eine Reform des Judentums sondern kämpfe für das Recht der lebendigen Entwicklung gegenüber dem Dogma der Unveränderlichkeit. U)er das Programm der Vereinigung unklar finde, der verkenne das Wesen und die Aufgabe des Liberalismus. Auf eine Festlegung der Formen für das individuelle jüdische Leben könne sich die Vereinigung nicht einlassen; sie sei nicht dazu da, die Gewissen zu lösen oder zu binden; eine Revision: des Schulchan aruch sei vielmehr Sache der auf dem Standpunkt der Autorität stehenden Orthodoxie. Die Vereinigung könne nur erklären — und das habe sie getan, das Wesen des Judentums liege für uns nicht in den Formen sondern in der Erfüllung der prophetischen Forderung: das Rechte zu tun, das Gute zu lieben und demütig vor Gott zu wandeln, wenn wir die Indifferenten wieder für das Judentum gewinnen, wenn wir die Jugend für dasselbe begeistern wollen, so dürfen wir ihnen das Judentum nicht als eine Religion lehren, die auf kleinliche aus dem Leben der modernen Juden verschwundene Formen das Hauptgewicht lege. Ausführlich erörterte alsdann Redner die einzelnen Punkte des liberalen Programms, die Stellung der Vereinigung zu den großen Institutionen des Judentums und die Rlittel und Wege der Propaganda. — In der Diskussion ergriffen Dr. Benario und Frau RIarthaSchlesinger das Wort zu kurzen Bemerkungen und wünschen. Am 2. November fand in Berlin die erste Sitzung des aus Perforiert bestehenden Vorstandes der „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" statt, zu der fast alle Vorstandsmitglieder aus allen Teilen des Deutschen Reichs erschienen waren. In vierstündiger angeregter Beratung wurde über die Art der Organisation, die Gründung von Ortsgruppen, Umfang und Ziel der Propaganda, Verbreitung der Zeitschrift usw. eingehend verhandelt und diesbezügliche Beschlüsse gefaßt. — Im Anschluß an diese Sitzung wurde am Abend des 2. November eine Versammlung des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin", der Berliner Ortsgruppe der Vereinigung, abgehalten. Es referierten Iustizrat Breslauer über die „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" und Dr. Karpeles über „Die Aufgaben des Liberalismus im Judentum". Die Ausführungen der beiden Redner wurden mit lebhaftem ungeteilten Beifall aufgenommen. In ihrem Sinne richteten auch die Vorstandsmitglieder der Vereinigung, Rabbiner Dr. Vogel st ein-Stettin und Dr. med. Reich-Breslau, anfeuernde Worte an die versammelten. Am Abend des November fand ein Meeting in London statt, das von der Iewish Religious Union veranstaltet war. Rlr. Claude RIontefiore, der Präsident der Union, hatte Rabbiner Dr. Selig mann in Frankfurt a. RI. und Germain L6vy, rabbin de l'union liberale Israclite in paris auf-

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