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Liberales Judentum · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 65

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 65 (sequence 17)
Language
German
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oo N rktor Br. GUtmann: Unsere Auffassung osn der Kidel 65 Führer der Nationen zusammen zur Erörterung von Fragen, die das Heil der gesamten Menschheit befördern sollen, schon die Vertreter der Regierungen, „damit nicht mehr Volk gegen Volk das Schwert erhebe!" wann dieser hehre messianische Gedanke seine endgültige Herrschaft antreten wird, welchem der kurzfristigen Menschengeschlechter das hohe Glück zuteil werden wird zu schauen, wie alle Nationen einig sind in dem Ziel, das dem Judentum auf seiner geschichtlichen Bahn zu allen Zeiten vorgeschwebt hat, das zu bestimmen ist uns versagt — aber mithelfen, freudig Mitarbeiten wollen wir in dieser Anstalt für seine Erreichung durch treue pflege unserer angestammten Religion in der Reinheit und Rlarheit, die die Männer der Aufklärungszeit ihr wiedergegeben, durch rückhaltlose Eingabe an unser geliebtes Vaterland, dabei aber auch durch pflege wahrhafter Humanität, edelsterMenfchlichkeit. Unsere Uuftassung von der Bibel und ihre Verwertung im Religionsunterrichte, von Rektor vr. Gutmann-Berlin. worauf stützt sich für UNS die Autorität der Bibel? wer auf dem Standpunkte steht, daß die Verfasser der biblischen Bücher von Gott auf wunderbare Weise inspiriert waren, wer also die Bibel auf Gott als ihren eigentlichen Verfasser zurückführt, hat in diesem Standpunkte ein so festgegründetes Fundament für seine Wertschätzung der Bibel, daß er eines anderen gewiß nicht bedarf. Für uns aber, die wir diesen Standpunkt nicht teilen, da wir wegen der in der Bibel berichteten Wunder, wegen der in ihr sich findenden, durch keine Harmonisierung auflösbaren Widersprüche und — last not least — wegen der in ihr hier und da zu tage tretenden und nicht wegzuleugnenden überwundenen religiösen Anschauungen, einen unmittelbar göttlichen Ursprung der Bibel nicht annehmen können, für uns bedarf es einer anderen, aus dem rechten Verständnis des Inhalts der Bibel gewonnenen Begründung ihrer Autorität. Wer aber die Bibel recht verstehen und würdigen will, darf nicht übersehen, daß sie kein einheitliches Buch, sondern eine Sammlung der Reste der Literatur des israelitischen Volkes ist, daß die einzelnen Schriften nicht aus der gleichen Zeit stammen, sondern daß zwischen der Entstehung der ältesten und der der jüngsten, viele Jahrhunderte verflossen sind, und daß sie deshalb weder in religiöser noch in sittlicher Beziehung alle auf derselben Stufe stehen. Wer die Bibel von diesem Standpunkte aus betrachtet, der wird dann keinen Anstoß nehmen an den Wundererzählungen, die nicht auffallend sind bei einem Volke, das die unverbrüchlichen Gesetze der Natur noch gar nicht gekannt hat; der wird keinen Anstoß nehmen an den in der Bibel sich findenden Widersprüchen; ist doch aus der profanen Literatur bekannt, daß von derselben Erzählung oft verschiedene Versionen im Umlauf sind; der wird sich in seiner Wertschätzung der Bibel auch nicht beirren lassen durch die überwundenen religiösen Anschauungen; bilden sie doch nur die Vorstufe der erhabenen Gedanken, wie wir sie bei den Propheten, den jDsalmisten, dem Verfasser des Buches Hiob finden, wie sie in den Erzählungen der Bibel ihre Einkleidung, in vielen Partien der pentateuchischen Gesetzgebung ihre praktische Ausgestaltung gefunden haben. was der Bibel ihren ewigen Wert gibt, ist aber nichts anderes als der religiöse Geist

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