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Liberales Judentum · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 Ar. AorLrn: Gin Mort xur Ssbkstfrsgr 0 o o o liches Hinschwinden wir daher ruhigeren Herzens mit ansehen können, da sie doch den Kern des Judentums nicht berühren. Anders der Sabbat: Mit demSabbatgedanken stehtundfälltdasIudentum. wollen wir also, daß das Judentum nicht falle, dann dürfen wir auch den Sabbatgedanken mit seiner Ruhe und mit seiner weihe nicht fallen lassen. So, wie fetzt, darf es nicht weitergehen. Irgend etwas muß geschehen. Aber was? Das ist nun freilich die schwierigste unter allen Fragen, die das Judentum der Gegenwart in seinem Innern bewegen. Und diese schwierigste Frage werden wir natürlich nicht in: Handumdrehen lösen können. Gb uns, wie die Linen sagen, durch eine etwaige Verlegung des jüdischen Ruhetages geholfen werden kann, oder ob, wie die Andern behaupten, dieses Radikalmittel, uni Ruhe und weihe wieder auf ein und denselben Tag zu bringen, dem Judentum mehr Schaden zufügen würde, als Nutzen: das ist eine Frage, deren Lösung, allem Anschein nach, erst der Zukunft beschieden sein wird. Das Line aber fordert von uns jedenfalls das für seine Zukunft besorgte Judentum, es fordert es insbesondere von den geistigen Führern der Iudenheit, es fordert es ferner von den Vorstehern und Vertretern der jüdischen Gemeinden, es fordert es schließlich von uns allen und ruft uns allen zu:IhrIuden der Gegenwart, gedenket des Sabbats! Denket an euer heiligstes Gut und laßt das schwierige Problem nie aus den Augen! Helfet mit, nachzusinnen, wie am richtigsten die Sabbatfrage für die künftigen Geschlechter gelöst werden kann! Unter keinen Umständen aber dürfen wir über dem Nachdenken für die Zukunft unserer Pflicht für die Gegenwart vergessen. Und für gänzlich verkehrt halte ich es, etwa zu sagen: „Wir wollen keine halbe Arbeit leisten, wenn wir keine gründliche Heilung herbeiführen können, so wollen wir lieber gar nichts tun." Ist es uns unter den gegenwärtigen Verhältnissen beim besten Willen leider nicht möglich. Ganzes zu leisten, da ist es noch immer besser, wir leisten vorweghalbeArbeit,alsdaßwir verzweiflungsvoll die Hände in den Schoß legen und den Dingen ihren Lauf lassen. Und so wendet sich das liberale Judentum an uns mit der dringenden Aufforderung: Gedenket des Sabbats undverabsäumtnichts,wasihrunter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen nur irgendwie für den Sabbat zu tun in der Lage seid. Ihr Männer, die ihr gezwungen seid, am Sabbat eurem Berufe nachzugehen, gebet wenigstens nach Möglichkeit dem Sabbat, was des Sabbats ist, indem ihr, so oft ihr nur könnet, an der öffentlichen gottesdienstlichen Feier unsers Sabbats teilnehmet. IhrFrauen,tut auch ihr das Lurige, uni denr Sabbat in der Häuslichkeit ein feierliches Gepräge zu verleihen. In eurer Hand liegt es nicht zum wenigsten, in der heutigen, für uns so schwierigen Zeit, an idealen Gütern zu retten, was zu retten ist. Und erscheint auch ihr im Gottesdienste, um hier den Sabbat zu feiern, so oft euer häuslicher und mütterlicher Pflichtenkreis es euch gestattet. Ihr Prinzipale, die ihr in euren Betrieben jüdische junge Männer und Mädchen beschäftigt, gedenket des Sabbats. Da ihr euren Angestellten nun einmal die richtige Sabbatruhe nicht gewähren könnet, tut wenigstens, was in euren Kräften steht. Gebt ihnen hin und wieder, ohne daß sie erst genötigt sind, mit einer Bitte an euch heranzutreten, gebt ihnen aus freiem Antriebe hin und wieder die Möglichkeit, das Gotteshaus am Sabbat zu besuchen, auf daß sie der Glaubensgemein-

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