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Liberales Judentum · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 Ar. Asrdrrr: Gin Mort zur Knbbntfrngr den Sabbat rächt verliehen den Völkern der Länder, hast ihn nicht zuteil werden lassen den Götzenanbetern, und an seiner Ruhe haben Heiden keinen Anteil; sondern nur deinem Volke Israel hast du ihn in Liebe gegeben." Heute entspricht dieser Satz ja längst nicht mehr den Tatsachen: Längst haben die beiden seitdem aus dem Judentum hervorgegangenen großen Bekenntnisse den jüdischen Sabbatgedanken übernommen, und in der neuen Zeit haben ihn auch die Staaten sich zu eigen gemacht; und zwar je moderner ein Staat ist, umsomehr dehnt er seine Verordnungen über die Heilighaltung des Ruhetages aus. Der jüdische Sabbat aber, wie verhält es sich mit dem? wer in seinem Herzen auch nur einen Funken Liebe zum Judentum verspürt, der kann die Sabbatfrage gar nicht berühren, ohne daß tiefe Betrübnis sich seiner Seele bemächtigt. Denn mit dem jüdischen Sabbat sieht es unendlich traurig aus. Wie ist das gekommen? Besitzen wir keinen Idealismus mehr? Verspüren wir keine Lust mehr, uns Woche für Woche aus dem Getriebe des Alltags herauszureißen? Haben wir unsere idealen Gefühle und Empfindungen samt und sonders unfern christlichen Mitbrüdern und Mitschwestern abgegeben, sodaß für uns selbst nichts mehr übrig geblieben ist? Nein, so liegen die Dinge glücklicherweise denn doch nicht. Hier handelt es sich nicht um bösen Willen, noch um Mangel an Idealismus, sondern die Macht der Verhältnisse hat die meisten Juden, soweit sie in den Kulturstaaten leben, gezwungen, sehr gegen ihren Willen, den Sabbat zu einem Werktage zu stempeln. Ich sage: die meisten Juden; denn es gibt ja noch Ausnahmen, die sich mit aller Kraft den Schwierigkeiten entgegenstemmen, und ihnen gebührt gewiß Anerkennung. Aber es sind eben Ausnahmen, die von Jahr zu Jahr seltener werden. Je mehr die Welt um uns herum Ernst macht mit der Heilighaltung des wöchentlichen Ruhetages, um so trauriger ist es mit dem jüdischen Sabbat bestellt, der von Woche zu Woche und von Jahr zu Jahr immer mehr zum Werktag herabsinkt. Da sind die Männer und Frauen, die einen selbständigen Beruf ausnben. Ihnen ist es vielleicht noch am ehesten möglich, sich wenigstens für eine kurze Frist von Berufsgeschäften freizumachen und des Sabbats zu gedenken, indem sie das Gotteshaus aufsuchen. Aber kann der Gottesdienst sie wahrhaft erheben, wenn sie sich des Gedankens nicht erwehren können, daß daheim wichtige Geschäfte ihrer harren? Da sind unsere jungen Männer undMädchen,diesichinSLellungen befinden. Unter ihnen gibt es gar Manche, die es häufiger in das Gotteshaus zieht. Allein sie befinden sich in Abhängigkeit von ihren Brotherren; und mögen diese auch noch so human sein und noch so verständnisvoll: den jungen Leuten widerstrebt es doch, mit wünschen und Anforderungen an sie heranzutreten, von denen sie wissen, daß sie nicht leicht zu erfüllen sind. Und so kommt es denn, daß unsere Jünglinge und Jungfrauen der Stätte entfremdet werden, wo die Religion gelehrt und betätigt wird. Da kommen sie denn an den hohen Feiertagen ins Gotteshaus, aber sie können sich dort nicht mehr zurechtfinden. Die Synagoge ist ihnen fremd geworden, und sie sind es der Synagoge. Und endlich, da sind unsere Knaben und Mädchen, da ist unsere ganze schulpflichtige Jugend. Ihnen ist — soweit sie nicht jüdische Elementarschulen besuchen oder die wenigen vorhandenen jüdischen höheren Lehranstalten — der Sabbat ein Werktag im buchstäblichen Sinne des Wortes; sie müssen an ihm ihre Pflichten erfüllen, so gut wie an anderen Tagen. Gder soll etwa das Unterlassen des Schreibens und der Handfertigkeiten ein geeignetes Mittel

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