Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Jfujtifrat Ar. Klau: Are religiösen Richtungen iw deutschen Judentum 39 Gemeinde vereinigt lebt, ihren Fehler, den Lockrufen der Separatisten und ihren geheuchelten Friedensversicherungen Gehör gegeben zu haben, bedauert, und daß man, wenn nur die Befriedigung' der religiösen Bedürfnisse der Orthodoxie in den Gemeinden jetzt und für die Zukunft gesichert ist, mit den Nichtorthodoxen in den Gemeinden dauernd in Frieden leben und diesen die Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse nach ihrer Art gerne zugestehen will. Wenn dann die Separatisten ihre Machtansprüche und herrschastsgelüste nichtsallen lassen, so werden sie es selbst verschuldet haben, wenn sie in die Bolle einer separatistischen S e f t e fallen und als solche behandelt werden. In der Tat, wer dem Aräfteverfall im Judentum Ginhalt gebieten will, wer den Willen hat, das Judentum dauernd und kräftig zu erhalten, der darf es nicht auf die stetig kleiner werdende Zahl der orthodox Lebenden zu beschränken suchen, der muß danach trachten, die weiten Areise derer, die den Willen zum Judentum haben, ohne orthodox zu leben, ihm zu erhalten. Das aber kann nur so geschehen, daß alle Juden, die sich der Ausgabe der Erhaltung und Arästigung des Judentums widmen wollen — und das sind, wie Tatsachen beweisen, nicht nur die Orthodoxen, die Traditionell- Gesetzestreuen — an dieser Arbeit sich gleichverpslichtet, aber auch gleichberechtigt beteiligen, daß, wo bezüglich der jüdischen Lebensregel, des „jüdischen Wegs", verschiedene Anschauungen obwalten, gegenseitige Duldung und Respekt vor der gegenseitigen Ansicht bestehen, und daß diese gegenseitige Duldung und Anerkennung die unverrückbare Grundlage nicht nur des Verhaltens der Einzelnen zueinander, sondern für das Leben in der Gemeinde überhaupt und besonders der Gemeindeverwaltung bildet. Das ist, wie Beispiele lehren, ganz leicht erreichbar in den größeren Gemeinden, die potent genug sind, beiden Richtungen die Notwendigkeiten des religiösen Lebens in ihrem Sinne zu gewährleisten. Diese dürfen sich nicht etwa auf den falschen Standpunkt stellen, es gäbe nur ein Judentum, das aber verschiedene Nüancen zulasse, die sich durch Nachgeben der Einen und der Anderen nivellieren lassen, sodaß jede Nüance mit dem Nivellement zufrieden sein könne, denn das führt zu einem Vorstandsjudentum, mit dem weder die Orthodoxie noch der Liberalismus zufrieden fein können. Aber auch in solchen Gemeinden, in denen die Mittel nicht ausreichen, um der Minorität in der Schaffung und Erhaltung von, ihrer Richtung entsprechenden, Institutionen in weiterem Maße entgegenzukommen, ist durch Gewährung der Teilnahme der Minorität an der Verwaltung, durch ein taktvolles Verhalten der Majorität und namentlich der maßgebenden Aultusbeamten, insonderheit durch ein weitherziges Gewährenlassen der Selbsthilfe, etwa durch Gestattung der Vereinigung ad hoc mit Gleichdenkenden in Nachbargemeinden, ein guter „Standard of life“ zu schaffen. Auch hierfür können Beispiele in Menge angeführt werden. Selbst die in letzter Zeit so stark urgierte Frage der Erteilung von Religionsunterricht seitens Orthodoxer an Ainder liberaler Eltern und umgekehrt kann bei richtiger Würdigung dessen, was der jüdische Religionsunterricht will und soll, einer alle Teile befriedigenden Lösung entgegengesührt werden, wie das Beispiel von Frankfurt beweist, wo seit mehreren Jahren in allen höheren Lehranstalten Religionsunterricht teils von orthodoxen teils von liberalen Lehrern erteilt wird, an dem sich 9?°/o aller Schüler beteiligen. Viele orthodoxe und manche liberale Eltern, die dies für erforderlich halten, lassen dann noch einen ergänzenden Religions- und hebräischen Unterricht ihren Aindern im Hause oder in privaten, von der Gemeinde subventionierten Religionsschulen zu Teil werden. Das Nähere gerade über die Verhältnisse des Religionsunterrichtes zu äußern, möchte ich denjenigen unserer Theologen Vorbehalten, die