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Liberales Judentum · 1908-01-01 · 1 (1908) · p. Seite 18

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
1 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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*8 § 5. 3ebes Mitglied hat in den Versammlungen der Vereinigung eine Stimme, vereine, welche Mitglieder sind, jedoch nur für je 20 ihrer Mitglieder eine Stimme höchstens aber Stimmen. Line Vertretung bei Abgabe der Stimme ist für die persönlichen Mitglieder ausgeschlossen. Vereine werden bei der Abstimmung durch einen hierzu bestimmten Abgesandten vertreten. § 6. Ordentliche Versammlungen der Vereinigung sollen etwa alle zwei Jahre stattfinden, außerordentliche Versammlungen ist der Vorstand jederzeit einzuberufen berechtigt. Keligionstckulkragen. von Dr. Max Freudenthal-Nürnberg. Nachstehendes Referat wurde in der Mitgliederversammlung der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands am % Mai \<)08 zu Berlin erstattet und erscheint auf Wunsch der Versammlung hiermit im Druck. * * * ZTÜ. £}.! Der vierte Punkt des gestern bei der Begründung der Vereinigung für das liberale I udentum in Deutschland angenommenen liberalen Programms beschäftigt sich mit dem Religionsunterricht und verlangt dessen Gestaltung in der Art, daß er die gesicherten Resultate der Wissenschaft berücksichtigt, die Entwicklungsfähigkeit des Judentums anerkennt, dadurch die Schüler mit Liebe zum Judentum erfüllt und sie nicht in Gegensatz zum Elternhause bringt. Meinem — und ich darf voraussetzen, auch Ihrem Gefühle nach — ist dieser Programmpunkt der gewichtigste und bedeutsamste, nicht bloß weil auf seiner rechten Durchführung die Zukunft des liberalen Judentums ruht, sondern weil hier wirkliche und positive Arbeit möglich ist. Das liberale Judentum baut sich auf dem Gedanken der Entwicklung auf, der alles Leben in der Welt, das materielle wie das geistige, als Gesetz untersteht. Jede Entwicklung bringt es mit sich, daß ihre Seitenwege auch abfallende Blätter und dorrende Zweige decken. Im Unterricht wandeln wir nicht auf solchen Seitenwegen, um aufzuräumen und auszukehren, sondern wir stehen auf dem heiligen Boden, dem ewig neues Leben entkeimt, von sorgsamer Hand erst gesät und dann gehegt und gewartet. Hier gilt es nicht zu zerstören, sondern im Gegenteil Zerstörendes fernzuhalten, hier gilt es nicht niederzulegen, sondern in positiver Arbeit aufzubauen und so aufzubauen, daß auch unser modernes Leben diesen Bau umbrausen kann, ohne ihn zu erschüttern. Aber die Lösung dieser schwierigen Aufgabe erfordert nun auch eine besondere Taktik. Das alte bekannte Wort*) a! tikra banajich elo bonajicb läßt sich bei diesem Aufbau in neuen: Sinne mannigfach variieren; die uns anvertrauten Rinder so zu erziehen, daß sie nicht bloß limmud Adonai, religiöse Kenntnisse, sondern auch raw schalom, wahre religiöse Befriedigung fürs Leben gewinnen, nur darin kann auch für uns, die Baumeister, der rechte Unterricht bestehen und die wahre Befriedigung liegen. Und auch die Lösung dieser Aufgabe selbst verlangt nicht bloß limmud, nicht bloß wissen und Kenntnisse, sondern viel mehr noch Geschicklichkeit und Takt. Sie wird außerdem bei unserem liberalen Denken aufs stärkste beeinflußt durch die subjektiven Anschauungen, die der Lehrer aus seiner wissenschaftlichen Ueberzeugung gewinnt, die er aus dem, was seine Forschung ihm als allgemein gültige religiöse Wahrheit im Judentum aufweist, entnimmt, subjektive Anschauungen, die seinem Religionsunterricht ein viel persönlicheres Gepräge aufdrücken werden, als es sich mit dem Charakter einer positiven Religion eigentlich verträgt. Nichtsdestoweniger gibt es eine Anzahl von Anschauungen und Grundsätzen, die — glaube ich— uns allen gemeinsam sind, und aus denen sich eine grundlegende Kennzeichnung unserer Arbeit in der Schule immerhin wird gewinnen lassen. Einig werden wir vor allem in der Antwort darauf sein, ob es denn überhaupt angebracht ist, unsere liberalen Anschauungen selbst in die Schule hineinzutragen, ob es nicht vielmehr richtiger wäre, das Kindergemüt unberührt und unerschüttert zu lassen von aller sogenannten Aufklärung und es in reiner und ungestörter, frommer Scheu und gläubiger Ehrfurcht vor allem, was die Religionslehre und Religionsgeschichte bietet, auszubilden. Line solche naive Aufzucht wäre doch nur so lange möglich, als das Kindergemüt selber noch naiv ist und alles Gegebene eben nur gemütlich auf sich wirken läßt, ohne daß das Denken zu den Gegensätzen ringsum Stellung nimmt. In den Unterklassen unserer Schulen versteht es sich darum von selber, ja es wäre geradezu unpädagogisch und unverständig, den Kindern die religiöse Unterweisung anders geben zu wollen als in der gemütlich-erbaulichen und naiven Form, die ja gerade die heilige Schrift so meisterhaft von selber darbietet, Hier haben wir nur darauf zu achten, daß wir die richtige Auswahl des religiösen Stoffes treffen und unbedenklich alles ausmerzen und fernhalten, was im Kindergemüt selber schon Bedenken Hervorrufen könnte. Es ist nicht notwendig, daß ganze geschloffene Stoffe — z. B. die gesamte Patriarchengeschichte — getreulich durchgenommen werden; es genügt, die schönsten und einfachsten Lebensi) Agadische Auslegung zu Jesaja 5^,(3 am Schlüsse des Trakt. Berachöth u. ö.: „lies nicht — wie im Text — alle deine Kinder, sondern alle deine Erbauer (Gelehrten, Lehrer) sind Gottesgelehrte, groß ist dann der Friede deiner Kinder."

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