Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 37. für das Schlujahr 1913-1914 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 119)
- Language
- German
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9 Wilhelm Bacher in sich aufgenommen und königlich beherrscht, auf ihn paßt, wie auf den alten talmudisehen Weisen, voll und ganz der Name סיני. Er war ein wahrhafter Sinai, denn in seiner Seele und in seinem Geiste war all das Wissen und all der Segen vereint, welche aus der sinaitischen Offenbarung auf das Judentum, auf die ganze Menschheit ausströmten. Neben dem lebendigen Wort verbreitete er durch seine fleißige Feder das Wissen, indem er unsterbliche Werke schuf zur Ehre der Wissenschaft und seines ungarischen Vaterlandes. Mit seltener Einmütigkeit, ohne Unterschied der Sprache und Konfession, wurde Wilhelm Bacher die Palme der Anerkennung gereicht. Seine edle Seele, sein dichterisches Gemüt fühlte sich zur heiligen Poesie und zu den blumenreichen Gefilden der Agada hingezogen; seine Schöpfungen sind unsterblich, wie die Bibel und die Agada selbst, mit denen sie unlöslich verbunden sind. Mit dem ersten Jahresberichte unserer Anstalt hat er vor 66 Jahren sein großes Agadawerk eröffnet und mit dem nächsten Jahresberichte wird er es auch vollenden, für welches er mir beim Scheine des ersten Chanukalichtes sein letztes »Die Agada der Rabbanan« enthaltendes Werk übergab. Zwölf seiner Schriften schmücken unsere Publikationen, je ein Ehrenblatt der Wissenschaftlichkeit unserer Hochschule. Unser Herz ist voller Trauer ob seines Heimganges, möge uns in unserer Trauer aufrichten das stolze Bewußtsein, daß Wilhelm Bacher unser war und unser bleiben wird. Seine Schöpfungen sind glänzende Schätze, die unsere Anstalt umstrahlen, in welcher sein hehrer Geist weiter leben und noch spätere Generationen zur Nachahmung des edlen Beispiels aneifern wird. Wilhelm Bacher war ein großer Lehrer, ein