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Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1911-01-01 · 34. für das Schlujahr 1910-1911 (1911) · page 79

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Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
34. für das Schlujahr 1910-1911 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 79)
Language
German
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75 Geschichte der Ehescheidung. Propheten wort1) den Eindruck der entschiedenen Mißbilligung der Ehescheidung. Die ersten Jahrhunderte des zweiten Staatslebens (von 450 bis etwa 200 vor unserer Zeitrechnung) sind in Dunkel gehüllt, doch wird man nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß die von Maleachi verkündete Anschauung die herrschende war. Dieselbe vertritt wenigstens der Sittenlehrer Jesus Sirach, der erste uns. bekannte nachbiblische Schriftsteller, der lehrt r ״Hast du eine Frau, so laß dich nicht von ihr scheiden“2). Er steht indes auf dem Standpunkte des mosaischen Gesetzes der Auflösbarkeit der Ehe. Er verdammt bloß die leichtfertige Scheidung, billigt hingegen die Scheidung wegen moralischer Defekte der Frau. Bei Ehebruch von ihrer Seite war Scheidung die Regel; ein behördlicher Zwang, wie später zur Zeit des Talmuds, hat aber sicherlich nicht bestanden. Der Mann durfte die Frau behalten und mit ihr das eheliche Leben fortsetzen. Die Frau konnte den Mann verlassen, aber keine Scheidung bewerkstelligen. Bis auf die Einschränkung des Scheidungsgrundes stimmt alldies mit der biblischen An- ־schauung überein. Es ist evident, daß schon im Zeitalter des Siraciden (um 200 vor) der Ausdruck דבר ערוה (Deut. 24, f) als moralisches Vergehen aufgefaßt wurde. Diese Auffassung, die der volkstümlichen Sitte und Anschauung aller voraufgegangenen Zeiten zusagte, entwickelte sich bald dahin, daß im Gesetze lediglich bewiesener Ehebruch als Scheidungsgrund anerkannt sei. Diese Meinung tritt für uns etwa 150 Jahre nach dem Zeitalter Sirachs (um 50 vor uns. Zeitr.) in die Erscheinung. Die Entstehung der Schule Schammais, welche diese Meinung vertritt, ist wohl erst um einige Jahrzehnte später anzusetzen, doch kann kein Zweifel darüber bestehen, daß schon der Begründer der Schule selbst, der bereits vor Hillel, also vor 30 ante, Schulhaupt war, dieser Auslegung des mosaischen 1) Siehe die Stelle oben S. 26. 2) Diesen Ausspruch hat- Paul weitergebildet in I. Kor. 7, 27 1 ״Bist du an ein "Weib gebunden, so suche nicht los zu werden; bist du los vom Weibe, so suche kein Wei b.“

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