Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 34. für das Schlujahr 1910-1911 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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67 Zadokiten. der Menschen durchdrang. Die verschiedenen Schriften sind wohl Niederschläge von Geistesströmungen, aber die Männer des Lebens haben ihre Anschauungen nicht so sehr aus diesen Schriften, als vielmehr aus jenem lebendigen Quell geschöpft. Die Lehre war trotz Schriftstellerei eine ״mündliche“, wie bei den Rabbinern Es handelt sich in diesen Zeitläuften überhaupt nicht um literarische Entlehnungen, sondern um Anschluß an lebendige Richtungen. Der Evangelist hat in bezug auf den Ehescheidungspunkt sich die Lehre der zadokitischen Priestersekte zu eigen gemacht, welche mit der herrschenden Lehre nicht nur der Pharisäer, sondern auch der Sadduzäer, ja sogar des mosaischen Gesetzbuches in Widerspruch steht. Wie die Zadokiten, haben auch die Anhänger Jesu allen anderen, sowohl Pharisäern als Sadduzäern ohne Unterschied Unzucht vorgeworfen. Als sie ein Zeichen zu sehen wünschen, antwertet ihnen Jesu: ״Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht verlangt ein Zeichen“ (Matth. 12, 39; 16, 4. Mark. 8, 12: dieses Geschlecht). Die Evangelien bekämpfen, ganz so wie die Zadokiten, gleichmäßig Pharisäer und Sadduzäer: ״Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer“ (Matth. 16, 7, 12; Mark. 8, 15). Beide Sekten betonen scharf die Nächstenliebe, wenn auch die Feindesliebe von den Zadokiten nicht gefordert wird.1) Das Verbot der Ehescheidung im Gegensatz zum Gesetz kann man sich aber nur, als in Priesterkreisen entstanden, gut vorstellen. Es sind hier die folgenden Umstände in Betracht zu ziehen. Die ,geschiedene Frau ging für den Priesterstand ganz verloren, denn ein Priester durfte eine solche nicht heiraten. Ezechiel fordert im Gegensatz zu III Moses 21, 7 auch von den gemeinen Priestern, daß sie nur Jungfrauen heiraten, ג) G. Margoliouth hat in zwei mir unzugänglichen Artikeln, (zweiter Artikel in ״Journal of Theological Studies“ 1911 Mai), unsere Schrift für eine christliche angesprochen. Die Schrift macht indes keinen christlichen Eindruck. Besonders auffallend wäre bei dieser Annahme das Fehlen der Lehre von der Auferstehung, welche in den Evangelien einen Kardinal-־ punkt bildet (Matth. 22, 23—33; Mark. 12, 18—27; Luk. 20, 27—38), wahrend bei einer sadduzäischen Sekte das Schweigen von dieser Lehre :ganz natürlich ist. 5*