Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 34. für das Schlujahr 1910-1911 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3122061-3122108--5491-3126125- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
54 Die jüdische Ehescheidung. angeraten, was in diesem Zusammenhänge gleichfalls nur dann Sinn hat, wenn Scheidung und Wiederverheiratung überhaupt unmöglich ist. Für diese Interpretation des Ausspruchs spricht auch die erste Antwort: ״Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden,“ was doch nur die absolute Unauflösbarkeit der Ehe bedeuten kann. Diese Ansicht widerspiegeln auch die Worte: ״Moses hat erlaubt, euch von euern Weibern zu scheiden eurer H erzenshärtig k e i t wegen״. Wenn die Scheidung ״Herzenshärtigkeit“ ist, dann ist sie absolut unzulässig. Jeder W^iderspruch verschwindet und die ganze Stelle wird in sich har- monisch, wenn die Worte: ״es sei denn um Un- Zucht willen“ getilgt werden. Es wird dann in unserer Stelle als Verschärfung des mosaischen Gesetzes die Ehe- Scheidung überhaupt für unzulässig erklärt, was zu: ״Ich aber sage euch“ gut paßt. Schon in der Frage: ״Ist es erlaubt, daß man sich scheide von seinem Weibe um jeder Ursache willen?“ dürften die unterstrichenen Worte interpoliert sein. In der Antwort wird nämlich hierauf gar kein Bezug genommen, die ganze Frage dreht sich um die Zulässigkeit der Scheidung überhaupt. Wenn die fraglichen Worte, welche mit dem Zusatz ״es sei denn um Unzucht willen“ Zusammenhängen, gestrichen werden, ist Frage und Antwort ganz glatt. Frage: Ist Scheidung erlaubt? Antwort: Nein. Einwendung: Moses gebietet einen Scheidebrief zu geben? Entgegnung: Wegen eurer Herzenshärtigkeit. Jünger: Wenn Scheidung unmöglich, ist es nicht gut, zu heiraten. Meister: Laßt es bleiben. Man kann aber unsere Stelle, allerdings sehr gezwungen, auch ohne jede Streichung im Sinne der absoluten Unauflöslichkeit der Ehe fassen, wie es die alte Kirche tat. Die Fragesteller mit ihrem ״um jeder Ursache willen“ waren Hillelianer, die über den Streit der beiden Schulen Bescheid wünschten, dafür aber eine ganz unerwartete, auch die strengere schammaitische Anschauung perhorreszierende Ansicht zu hören bekommen. Die Worte ״es sei denn um •a!r*׳iw49־Br