Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 34. für das Schlujahr 1910-1911 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
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Neues Testament. 51 da ja der Mann mehrere Frauen besitzen darf. Punkt 4 wird darum gar nicht ins Auge gefaßt. In ihrer vorliegenden Ge־ stalt vertritt unsere Stelle voll und ganz den schäm־ maitischen Standpunkt, wie wir ihn oben dargelegt haben (31 ff.). Gemäß der schammaitischen Ansicht ist es gestattet, eine wegen Ehebruchs beziehungsweise wegen unsittlichen Betra־ gens entlassene Frau zu heiraten, aber keine, die um irgend einer anderen Ursache willen entlassen worden. Demnach müßten die Worte: ״und wer eine Geschiedene freit, der bricht die Ehe“ lediglich auf den letzten Fall bezogen werden. Die zwei Sätze stehen mit einander in engstem Zusammenhange: In dem Falle, wo der Mann ״macht, daß sie die Ehe bricht“, bricht auch der neue Mann, der sie heiratet, die Ehe. Statt ״wer eine Geschiedene freit,“ müßte es also heißen: ״wer diese (d. h. ohne Xdyo; ״׳:opvsias) Geschiedene freit, der bricht die Ehe.“ Das Absolute: ״wer eine Geschiedene freit,“ läßt jedoch diesen Sinn kaum zu. Ferner ist noch das folgende zu bedenken: In der ganzen Spruchgruppe 5, 17—*48־ will Jesus im Sinne der einleitenden Sentenz: ״Ich bin nicht gekommen [das Gesetz oder die Propheten] aufzulösen, sondern zu erfüllen“ über den Wortlaut des mosaischen Gesetzes hinausgehen, die einzelnen Vor־ Schriften weiter entwickeln, damit ״der kleinste Buchstabe und jedes Strichlein vom Gesetze geschehe.“ Diese seine Absicht gibt sich deutlich auch in der sich wiederholenden einleitenden Formel kund. In welcher Weise das Gesetz ״erfüllt werden“ soll, beleuchtet am lehrreichsten der unserer Stelle unmittelbar vorauf gehende Ausspruch: ״Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: ״Du sollst nicht ehebrechen.“ Ich aber sage euch: Jeder, der ein Weib ansieht aus Begierde nach ihr, der hat schon die Ehe mit ihr gebrochen in seinem M Herzen. Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus* usw. (5, 27—30). Wenn nun der Autor über die Ehescheidüng lediglich die schammaitische Ansicht, die im damaligen Palästina als die echt mosaische galt und in der Praxis die herrschende war, vorgetragen hätte, wäre das pathetische ״Ich aber sage euch** nicht am Platze gewesen. Er hätte nichts