Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 34. für das Schlujahr 1910-1911 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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34 Die jüdische Ehescheidung. wonach die Frau nur wegen Ehebruchs geschieden werden darf, ein solches Bedenken somit nicht vorhanden sei. Der Streit der zwei großen Schulen setzt sich auch nach der Tempelzerstörung fort, als die hillelitische Schule durch Jochanan ben Sakkai bereits den Sieg davongetragen hatte. Jochanans ältester Schüler, Elieser ben Hyrkanos, der sich auch sonst an die alten Traditionen klammerte, vertrat auch in der Ehescheidungsfrage den schammaitischen Standpunkt. Er lehrt, es sei Pflicht des Mannes, seine des Ehebruchs verdächtigte Frau durch das Fluchwasser prüfen zu lassen, während Josua dies dem Belieben des Mannes anheimstellt. Der pal. Talmud erklärt die Kontroverse folgendermaßen?: ״Elieser vertritt den Standpunkt der Schammaiten, wonach man seine Frau nur wegen Ehebruchs entlassen darf. Hat nun der Mann an ihr häßliche Taten gefunden — entlassen darf er sie nicht, denn sie ist des Ehebruchs nicht überführt, behalten darf er sie nicht, denn er hat an ihr häßliche Taten gefunden, darum sagt Elieser, die Prüfung durch das Fluchwasser sei Pflicht“1). Wenn also eine Baraita im Namen der Schammaiten lehrt, die Frau dürfe schon wegen unzüchtigen Betragens entlassen werden2), so widerspricht dies allem, was wir von den Schammaiten über diesen Punkt sonst hören. Wenn man diese Baraita nicht für apokryph halten will, so muß man in ihr eine durch die Ausläufer der schammaitisehen Schule abgeschwächte Ansicht erblicken3). Die unver- ו) j. Sota 16 b (1. 1, Anf.). Sifre Num. 7 (S. 4 a) ist der Kontroversant Eliesers Ismael; b. Sota 3 a sind die Kontroversanten Ismael und Akiba (auch Numeri rabba 9, 12 fol. 53 b oben, Wilna). Alles falsch> Siehe auch Sifre sutta ed. Königsberger 12 a, n. 22. 2) Ebenda, ferner j. Gittin Ende (50d): ודא תני משום בית שמאי אין לי אלא היוצאת משום ערוד, מנין היוצאת וראשה פרוע וצדדיה מפורמין וזרועותיה חלוצות ת״ל כ" מצא בה ערות דבר. Auffallend ist היוצאת (statt שיוצאת). - An beiden Stellen wird diese Baraita als eine der geläufigen Ansicht der Schammaiten widersprechende angezogen und eine Ausgleichung versucht. 3) Verdächtig wird die Baraita auch dadurch, daß dieselben Vergehungen der Frau als Scheidungsgrund von Meir, also von einem Hilleliten erwähnt werden. Er sagt nämlich in einer Charakterisierung des Verhaltens der Männer gegenüber ihren Weibern unter anderem: ״Ein.