Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 34. für das Schlujahr 1910-1911 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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26 Die jüdische Ehescheidung. über die Ehescheidung. Die Stelle ist im ganzen wohl etwas״ dunkel, für unsere Frage ist sie indes deutlich genug. Nachdem der Prophet die Treulosigkeit Judas, die es durch Ehelichung heidnischer Frauen begangen, gegeißelt und erwähnt hatte, daß Gott die Opfergaben nicht annehmen werde, fährt er fort: ״Ihr fragt noch: Warum? Darum, weil Gott Zeuge war [bei dem Eingehen des Bundes] zwischen dir und dem Weibe deiner Jugend, der du [nun] die Treue gebrochen hast, obschon sie deine [Lebens] Gefährtin und deine durch feierliche Gelübde mit dir verbundene Gattin war... und dem Weibe deiner Jugend werde nie die Treue gebrochen. Denn ich hasse Scheidung, spricht der Ewige, der Gott Israels, und [den], der sein Gewand mit Frevel bedeckt, spricht der Gott der Heerscharen, darum hütet euch wohl in eurem Sinn und brecht niemals die Treue!“1) Es ist von solchen Männern die Rede, die ihre Gattinnen, die sie in ihrer Jugend geheiratet hatten, ohne jede Schuld vonseiten der Frau, offenbar lediglich jüngeren Weibern zuliebe, treulos verstoßen. Der Prophet geißelt mit flammenden Worten die neue Sitte, die Frau auch ohne Untreue von ihrer Seite, lediglich auf Grund des ״Widerwillens“2) zu scheiden. Das Recht aber zu einer solchen Scheidung bestreitet der Prophet den Männern augenscheinlich nicht, er bekämpft die Untat nicht vom Standpunkte des gemeinen Rechts, sondern von dem der höheren Moral. Er tritt also für die alte Volkssitte ein, die Frau nur wegen Ehebruch zu entlassen. Diese Sitte spiegelt sich, wie ich glaube, noch in der Satzung wieder, daß gemeine Priester wohl Witwen, aber keine Geschiedenen heiraten dürfen. ״Eine buhlerische und geschändete Frau sollen sie nicht nehmen, und eine Frau, die von ihrem Manne verstoßen worden, sollen sie nicht nehmen, denn if 1j Kautzsch (mit geringen Änderungen). Das ״Bedecken des Kleides mit Frevel“ (בסד, המש על לבושו) ist sicherlich eine Metapher für die eheliehe Untreue. 2) Hebräisch: שנא Hassen. Der Prophet wählt mit Absicht den Ausdruck שנא שלח (Gott haßt die Scheidung)., weil beide Worte Termini der Ehescheidung sind. S. oben S. 18.