Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 34. für das Schlujahr 1910-1911 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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4 Einleitung. Produkt einet inner jüdischen Strömung,, die schon vor dem Auftreten Jesu gewisse Volkskreise erfaßt hatte. Die Hauptstütze dieser These ist die neuentdeckte Schrift der zadökidischen Priestersekte — ein glücklicher Fund S. Schechters — in welcher eine vorchristliche Quelle für das absolute Ehescheidungsverbot gefunden ist, wodurch die sonstigen Trümmer der Überlieferung über diesen Punkt erst ins rechte Licht gerückt werden. Der Zeitpunkt der Entstehung der Sekte * kann leider nicht genau fixiert werden, sicher aber ist, daß die Sekte nicht über Nacht zu einer dem von ihr hochgehalteneri mosaischen Gesetz widersprechenden Lehre gekommen ist. Sie wird in der Frage der Ehescheidung, gleichwie in der der Polygamie an bereits vorhandene Strqmungen innerhalb des jüdischen Volkes angeknüpft haben. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Anfänge dieser Strömung in die Zeit des letzten Propheten hinaufreichen. Eine entschiedene Abneigung gegen jede Ehescheidung ist wenigstens aus Maleachi 2, 14—\6 herauszufühlen. Ich glaube auf alle Fälle zeigen zu können,־ daß die Anschauungen über unsere frage schon in biblischer Zeit Wandlungen durchgemacht Haben. Die Quellen fließen allerdings sehr spärlich, das Material ist indes durch die Entdeckungen der letzten Jahre, namentlich durch den Kodex Hammurabi und die jüdischaramäischen Papyri von Assuan, sowie durch assyrisch-baby- Ionische und ägyptische Ehekontrakte erfreulich vermehrt worden. Die Heranziehung dieser neuen Daten hat bei einer objektiven, von jeder vorgefaßten Meinung freien Betrachtung der einschlägigen Bibeltexte zu manchen neuen Resultaten geführt. Auseinandersetzungen mit früheren Auf- Stellungen habe ich möglichst vermieden, weil dadurch einerseits der Gang der Untersuchung gestört und anderseits die Arbeit allzu umfangreich geworden wäre. Allzuviele Noten hätten die Schrift gleichfalls übermäßig belastet. Wer sich für einzelne Punkte besonders interessiert, kann die reiche exegetische und archäologische Literatur zu Rate ziehen. Das Quellenmaterial habe ich in chronologischer Reihen-