Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 33. für das Schlujahr 1909-1910 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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8 Vorwort. der Juden Jemens in stetem Zusammenhänge mit den Ent- Wicklungsepochen des Judentums blieb und deren Einwirkung gen erfuhr. Diesen Dokumenten, der Empfänglichkeit für Einflüsse von aussen stehen nur spärliche Beweise selbsttätiger Produktion zur Seite. Was wir an jemenischen Schriften auf dem Gebiete der Bibelexegese, der hebräischen Sprachwissen- Schaft, der Religionsphilosophie und anderer Disziplinen kennen gelernt haben, kann nur als eifrige Bekundung gelehrten Strebens anerkannt werden; aber daß diese Schriften nicht über die Grenzen ihrer südarabischen Heimat hinaus gelang־־ ten, bedeutet keine Lücke im Gesamtbilde des jüdischen Schrifttums. Nur auf einem einzigen Gebiete kann man von einer wesentlichen Erweiterung der jüdischen Literaturgeschichte durch die Kenntnis der jemenischen Produktionen sprechen; es ist dies das Gebiet der Dichtkunst. Auch auf diesem Gebiete haben die südarabischen Handschriften Überraschungen bereitet: unter ihnen kam auch der Diw an Abraham Ibn.Esra’s nach Europa, von dem bis dahin sich keine Spur erhalten hatte.1) In den Sammlungen von Ge־־ beten und synagogalen Poesien, die unter den jemenischen Handschriften eine bedeutende Stelle einnehmen, stehen die Erzeugnisse der neuhebräischen klassischen Poesie des Mittelalters im Vordergründe. Ohne Zweifel waren zu gleicher Zeit wie Maimunis Schriften oder noch früher auch die Werke der großen hebräischen Dichter Spaniens nach Jemen gebracht w:orden. Aber ihre Dichtungen regten auch zur Nachahmung an, und die hebräische Poesie in den von jenen •klassischen Dichtern geschaffenen und ausgebildeten Formen erlangte unter * den Juden Südarabiens dauerndes Heimatsrecht, das bis in die neueste Zeit in Geltung blieb. Eine lange Reihe von Dichternamen, die auf den folgenden Blättern verzeichnet sind und aus denen vornehmlich der Name Salim Schibzi’s hervorleuchtet, beweist, mit welcher Liebe und auch in welcher Ausdehnung in Jemen die Poesie gepflegt wurde. Und zwar ist es nicht die liturgischen Zwecke dienende synagogale Poesie, von der hier die Rede sein wird, *) S. J. Egers, Diwan des Abraham Ibn Esra (1886), S. XI.